TRUMA
Vor- und Nachteile einer Gemeindesteuer
Auslegung von Rabbiner Walter RothschildWie 'freiwillig' ist eine 'freiwillige Spende'? Gott sprach zu Mose, er solle die Kinder Israels ansprechen und von ihnen eine 'freiwillige Spende' verlangen, um eine neue Bundeslade bauen zu können. Gold und Silber und Kupfer, außerdem Wolle und Stoffe mit kostbaren Farben, Teppiche, (…) Vorhänge und wertvolle Steine – alles - von Jedem, „der sein Herz dazu antreibt'' (2. Buch Mose 25:2).
In Deutschland – aber NUR in Deutschland - gibt es eine offizielle 'Kirchensteuer' – für Juden heißt es 'Gemeindesteuer' – zumindest für die staatlich-anerkannten ''öffentlichen Anstalten'' – das heißt, für die Evangelische, Katholische und Alt-Katholische Kirche und die Jüdischen Landesverbände. Die Freikirchen, die Muslime und alle anderen religiösen Gemeinschaften groß und klein stehen außerhalb dieses ehemaligen preußischen Systems und leben nur von den Spenden ihrer Mitglieder oder Sponsoren. Das macht einen enormen Unterschied. In den großen Kirchen Deutschlands hatte das eine Art 'Beamtendenken' zur Folge, denn die Kirchensteuer und Staatsleistungen finanzieren Hierarchien und administrativen Strukturen, die davon leben. Kirchliche Angestellte haben ein garantiertes geregeltes Einkommen, das man Jahre im Voraus kalkulieren kann, und später sogar eine Rente. Man kann zwar ''austreten'' – und das tun viele heutzutage – um die Kirchensteuer nicht mehr zahlen zu müssen. Doch dann kann man eben auch kein Mitglied dieser Kirche mehr sein, auch wenn man eigentlich ein frommer Beter oder gläubiger Christ ist. Der Gegenentwurf dieses Modells ist der bettelnde buddhistische Mönch, der nur von den Lebensmitteln lebt, die wohlmeinende Menschen in seine Schüssel geben .... In der Torah lesen wir auch, dass die Israeliten verpflichtet sind, die Priester und die Leviten – die 'Profis' - finanziell zu unterstützen.
Ich komme ursprünglich aus England, wo meine Gemeinden nur von Mitgliedsbeiträgen und Spenden leben. Hier in Deutschland leben viele Gemeinden von Subventionen aus öffentlicher Hand - sei es von der Stadt, dem Land oder dem Bund. Hier haben die meisten Gemeindeangestellte echte Löhne – sie arbeiten hauptberuflich und nicht ehrenamtlich. Für mich als Rabbiner sehe ich Vorteile und Nachteile zugleich. Soll ein Bethaus groß und prunkvoll sein, geschmückt mit Gold und Silber und schweren Vorhängen? Oder kann man auch etwas bescheidener auskommen? Wie viele 'Profi'-Seelsorger und Gemeindediener braucht man, kann man sich leisten? Was ist, wenn die Zahl der Mitglieder schrumpft, sei es durch Alter oder Auswanderung? Wie können Gemeinden leben, die nur arme Mitglieder haben, Rentner, kaum in der Lage ihre eigene Miete zu decken? Ich kenne solche Gemeinden in England, die um ihr Überleben kämpfen müssen; in Deutschland gibt es meist die Möglichkeit, mehr Geld zu beantragen, wenn es nötig ist.
Eine 'Terumah' ist eine freiwillige Gabe. Man erhebt etwas und spendet es. Es gab in der Torah auch Pflicht-Opfer für verschiedene Anlässe. Manchmal waren sie ganz teuer – Stiere und Lämmer und so. Pflicht ist Pflicht. Die Priester, die Kohanim und Lewiim, mussten auch davon leben.
Wer soll was an den Kaiser abgeben, und wer soll was an Gott abgeben? Ja, eine alte Frage. Und was bedeutet es, wenn man erwartet, der Kaiser wird selber das Geld für Gott durch die Finanzämter eintreiben und ihm weiterleiten? Wie frei ist man dann in dieser Spende?
Später wird Mose mehrmals mit Gott am Eingang des neuen Stiftzeltes reden, aber nur sein Bruder Aharon als Priester wird darin amtieren. Im Sinn einer Trennung von Ritus und Staat.
Ich wünsche Ihnen – freiwillig, versteht's sich – einen guten Schabbat. Schalom!
26.02.2026 Artikelarchiv >>
Rabbiner & RabbinerinnenStrömungenPositionenBet DinPublikationenLinksImpressum |
Home![]() © Allgemeine Rabbinerkonferenz |

