HAASINU
Zwischen Jom Kipur und Sukkot
Auslegung von Rabbiner Daniel AlterEines der Themen des aktuellen Wochenabschnitts ist die wechselseitige Beziehung zwischen dem Menschen und seinen Taten und den natürlichen Reaktionen darauf.
Unsere ganze Welt ist von menschlichen Entscheidungen des freien Willens abhängig.
Wir können versuchen, natürliche Prozesse wie Regen oder Trockenheit zu kontrollieren. Aber schließlich bleiben wir doch den Launen der Natur in gewissem Umfang ausgeliefert.
Dieser Wochenabschnitt stellt für mich auch den Übergang von Jom Kipur zu Sukkot dar. Einen der Höhepunkte von Jom Kipur finden wir am Ende, wenn wir die Herrschaft Gottes über Menschen und Natur anerkennen und deklarieren.
Hierzu werden zwei verschiedene Namen Gottes benutzt. Unter dem einen verstehen wir unseren Gott der Gerechtigkeit, der unter anderem die Naturgesetzte erstellt und erhält. Das Tetragrammaton, der andere Name Gottes, steht für unseren Gott der Gnade und des Mitgefühls, der eng mit dem Leben und Schicksal der Menschen verwoben ist.
Zum Ende von Jom Kipur bekommen wir noch einmal - sei es auch nur für einen kurzen Moment - vor Augen geführt, dass unser Gott der Gnade und unser Gott der Gerechtigkeit, Gott der Natur und Gott der Menschheit ein und derselbe ist.
Wir können akzeptieren, dass unser ganzes Universum durch die Wechselbeziehung zwischen menschlichem Handeln und Gott bestimmt wird. Die Absichten Gottes sind zu unserm Guten und auch vorteilhaft, sowohl für unsere Gegenwart als auch für kommende Generationen.
Aus diesem Moment des Bewusstseins und der Erkenntnis heraus, am Ende von Jom Kipur, katapultieren wir uns selbst in eine Periode des ebenso symbolischen wie freudvollen Dienstes für Gott. "Erfreuen sollst Du dich an Deinem Festtag", ist ein Gebot das speziell auf die Sukkot Zeit gemünzt ist.
Wir können im Bewusstsein unserer Abhängigkeit von Gott schwelgen. Und wir sollen und können uns daran erfreuen, Gottes Güte anzunehmen.
Mosche deklariert, dass er die göttliche Gerechtigkeit als einen Ausdruck von Gnade und Mitgefühl anerkennt.
Wenn wir in unsere temporäre Wohnung, unsere Sukka, symbolisch einziehen dann ist dies u.a. eine Reminiszenz an die 40 Jahre der totalen Abhängigkeit während der Wüstenwanderung.
Diese Idee der Anerkennung und Akzeptanz ist vielleicht die größte Herausforderung in unserer Beziehung zu Gott. Tatsächlich müssen wir uns mit den Folgen göttlicher Gerechtigkeit jedes Jahr und immer wieder auseinandersetzen.
Als Gläubige haben wir die Vorstellung von unserem Gott der Gerechtigkeit angenommen und wir verhalten uns so, als würden wir Gottes Gerechtigkeit verstehen und akzeptieren.
Es ist natürlich, dass es unser Wunsch ist, jeden Tag und nicht nur zum Ende von Jom Kipur: zu erkennen und zu fühlen, dass die beiden Manifestationen Gottes - der Gott der Gerechtigkeit und der Gott der Gnade und des Mitgefühls tatsächlich einer sind - der einzige und unteilbare Gott Israels.
Schabbat Schalom
Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung des Norddeutschen Rundfunks. Der Beitrag wurde dort am 17. Oktober 2022 gesendet.
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