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EKEW

Jede Generation hat eine eigene Chance

Auslegung von Rabbiner Walter Rothschild

"ALLE die Gebote die ich euch heute gebe, sollt ihr sorgfältig üben, auf dass ihr leben bleibet und
euch vermehret und in das Land kommt, das der Ewige euren Vätern mit einem Schwure zugesagt,
und es in Besitz nehmet." (5. Mose 8, 1)

Es gibt hier so viel, zu viel zu sagen und zu fragen. ALLE Gebote? Gibt es dann keinen Unterschied zwischen, sagen wir, schwergewichtigen moralischen Imperativen und für uns weniger bedeutenden rituellen Gebote? Was heißt "sorgfältig tischm'run", auf Deutsch "ihr sollt aufpassen", "ihr sollt Vorsicht walten lassen..." Es ist nicht genug, sie einfach zu befolgen . Und dann, so wird es versprochen, bleibt man am Leben aber natürlich nicht ewig lang, und dann kannst Du, das heißt, das Volk, dieses verheißene Land in Besitz nehmen. Einfach so.

Theologen lieben es, entweder sehr einfach oder sehr kompliziert zu reden. Ich meine, was könnte einfacher sein als ein Gott, der sagt "Tu was ich sage und alles wird gut für Dich gehen, und wenn nicht, dann nicht." So mechanisch? Autoritär. Ist das Glaube, Religion? Oder nur ein Art spirituelle Unterwerfung, fast Sklaverei? Mit Drohungen bei Nichtbefolgung? Wo bleibt da die Liebe?
Aber:
Pass auf! Denn es gibt einen Kontext. Diese Passage ist Teil eines Rückblicks. "Denke an den ganzen Weg, den der Ewige, dein Gott, dich diese vierzig Jahre in der Wüste geführt hat, um dich zu demütigen, dich zu prüfen, um zu erkennen was in deinem Herzen lebt, ob du seine Gebote beachten willst oder nicht.'' (Vers 2) Hier haben wir den Kontext, und zwar einen historischen Kontext. Gott hat Erfahrungen mit der vorherigen Generation gemacht , Gott hat gesehen wie sie NICHT gehorchen wollten, wie sie NICHT an seine Verheißung glaubten, wie sie ständig meckerten und protestierten und sogar rebellierten gegen Gott und Moses. Daher hat Gott damals gesagt: "Diese Leute, die ich aus Ägypten geführt habe, haben die Verheißung nicht verdient; warten wir ab (...), wenn sie in der Wüste gestorben sind, ob die nächste Generation besser sein wird."' Man kann das sogar als ein Zeichen der Hoffnung sehen, eine zweite Chance. Die Verheißung bleibt gültig, nur man muss sie verdienen .

Also, was kann man mitnehmen? Dass jede Generation eine eigene Chance haben kann, sie muss nicht immer die Fehler der vorhergehenden Generationen wiederholen... Sie kann, darf, MUSS eine eigene Perspektive haben, jeder lebt nicht nur für sich allein, auch wenn "alle nur für sich allein sterben..."

Wenn es um Glauben, Gerechtigkeit, sogar für die Erde, für die Wüste in der man vierzig Jahre unterwegs war, geht, gibt es für jeden eine Reihe von Geboten, denen wir folgen sollen, damit es gut oder zumindest besser für uns gehen wird.

So automatisch muss es nicht ablaufen. Wir haben die Wahl. Immer zu gehorchen oder nicht. Nur sollte man in Betracht ziehen: Es könnte Konsequenzen geben.

Schalom!

Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung des RBB. Der Beitrag wurde dort am 19. August 2022 gesendet.

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