DEWARIM
Rechtssystem
Auslegung von Rabbiner Jonah SieversMit dem Wochenabschnitt "Dewarim" beginnen wir das 5. Buch Moses, das im Hebräischen wie der erste Wochenabschnitt benannt ist. Die Israeliten sind nun an der Grenze von Eretz Israel angelangt und Moses, der weiß, dass er es nicht betreten wird, hebt zu seiner großen Abschiedsrede an. Gleich zu Beginn seiner Rede kommt Moses auf eine seiner wichtigsten Entscheidungen zu sprechen, nämlich die Einrichtung unabhängiger Gerichte. Diese Entscheidung bedeutet einerseits, dass Moses die Last, Recht zu schaffen, nicht mehr alleine tragen muss, und zum anderen macht die Rechtsetzung das geregelte Zusammenleben in einem Staat erst möglich; denn bisher hatten die Israeliten in einem Lager gewohnt. Mit der Landnahme jedoch waren sie über das ganze Land verstreut, das machte eine Dezentralisierung nötig. Dieses Gerichtssystem fördert ja auch die Stabilität der Gesellschaft an sich. Ohne ein funktionierendes Rechtssystem kann eine Gesellschaft nicht leben. Dieses existentielle Bedürfnis nach Rechtssicherheit ist schon sehr alt. Erinnern wir uns: Nach rabbinischer Tradition ist ein Rechtssystem eines der sieben noachidischen Gebote, d. h. eines der Gebote, die für alle Menschen gelten. Die Grundlage dieses Rechtssystems ist aber nicht nur das formale Recht, sondern ein Rechtssystem im wahrsten Sinne des Wortes, ein System, das sich auf Gerechtigkeit gründet.
Schabbat Schalom
Teil einer Tora-Auslegung am 27.07.2012, Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung des NDR.
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