hauptmotiv

Zu Rosch Haschana 5782

Wendung zum Guten 

von Rabbiner Andreas Nachama, Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz

 

Ein schwieriges Jahr mit zahlreichen Herausforderungen geht zu Ende - Zeit für Umkehr

"Ein Jahr mit seinen Flüchen möge enden!" Wir lesen es so im Babylonischen Talmud, Traktat Megilla 31b. Gemeint ist im Talmud das Murmeln der Flüche durch den Baal Kore im 5. Buch Mose 28, 16-68. Wir könnten auch unsere tägliche Zeitungslektüre meinen: Explosionsgeschosse in nie gesehener Menge auf Israel, eine schier endlose Pandemie, westliche Truppen, die ein Land erst besetzten und dann fluchtartig im Stich lassen, Regen, der im Übermaß fällt und Sturzfluten bewirkt, die alles mit sich reißen, Erdbeben …

Immer, wenn wir das ganze Schma Jisrael beten, lesen wir auch im 5. Buch Mose 11, 13-15, hier in Martin Bubers Verdeutschung: “Geschehn wirds, hört ihr, hört auf meine Gebote, ich ich heuttags euch gebiete, Ihn, euren Gott, zu lieben und Ihm mit all eurem Herzen, mit all eurer Seele zu dienen, werde ich den Regen eures Landes zu Seiner Frist geben, Herbstguß und Lenzschauer, einheimsen wirst du dein Korn, deinen Most, dein Ausbruchöl, ich werde Kraut auf deinem Feld für dein Vieh geben, du wirst essen, wirst ersatten.”

Wir haben mit übermäßigem Konsum unsere Erde aus dem Gleichgewicht gebracht - und jetzt haben wir die schlechte Bescherung: Regen im Übermaß - Hitze im Übermaß - die Ozeane erwärmen sich - der Meeresspiegel steigt. Und was tun wir?

Es ist nicht damit getan, dass wir uns an die Brust schlagen und weitermachen, wie bisher: (fast) alles haben und doch die Gier nach mehr - ständig nimmersatt! Jesaja würde sagen - ich will eure Opfer und Gebete nicht - ich will Umkehr - Teschuwa!

Und Er? Er will nicht unsere Lippenbekenntnisse, sondern eine Antwort von uns - Teschuwa!

“Ein Jahr mit seinen Flüchen möge enden! Ein (neues) Jahr mit seinen Segnungen möge beginnen!” Von unserem Ehrenvorsitzenden, Rabbiner Henry Brandt, haben wir den zweiten Teil dieses Spruchs gelernt: Der Satz stammt aus dem neunstrophigen Pijut “Kleine Schwester” von Abraham Chasan Ghirondi, der im Mittelalter lebte und wirkte. Es enthält Hinweise auf individuelle Krankheiten und kollektive Beschwernisse jüdischen Lebens - fast könnte man sagen, wie heute. Aber dann in der letzten Strophe kommt doch die Wendung zum Guten. So möge es auch jetzt werden! 

Für ein gutes Jahr mögen alle, die diese Zeilen lesen, eingeschrieben und dann auch eingesiegelt werden!

Frieden für ganz Israel!



Artikelarchiv >>
Rabbiner & RabbinerinnenStrömungenPositionenBet DinPublikationenLinksImpressum
Bookmark für: Facebook
Home
logo der allgemeinen rabbinerkonferenz

© Allgemeine Rabbinerkonferenz
Meldungen

Die Anderen brauchen uns

von Rabbinerin Elisa Klapheck, Vorsitzende der ARK

Das Bild der Kerubim, der zwei Engelsgestalten im Allerheiligsten des Tempels, wie sie in der Tora beschrieben und im Talmud erörtert werden, hat mich von jeher fasziniert. Sie stehen mit ihren Flügeln über der Lade mit den zwei...

Lesen Sie mehr...

Wie kommt ein Jude in den Himmel?


Paraschat Haschawua

MISCHPATIM

Auslegung von Rabbiner Strasko

Das Gestern und das Morgen

Was ist unser Leitfaden, wenn das Morgen nicht mehr so sein wird wie das Gestern?
Vielleicht ist das eine seltsame Frage. Wenn wir darüber nachdenken, scheint es selbstverständlich zu sein, dass das Morgen anders sein wird als das Gestern. Aber reagieren wir wirklich so auf Veränderungen?
Wenn wir sagen, dass wir Veränderungen erwarten, meinen wir dann mehr als...

13.02.2026   Lesen Sie mehr...