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Einheit in der Vielfalt

Zum 70. Jahrestag des Zentralrates der Juden in Deutschland

Von Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama

Diesen Sommer feiern wir den 70. Jahrestag der Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland. Mit ihr war es im Juli 1950 endlich zu der notwendigen politischen Repräsentanz der heterogenen jüdischen Gemeinschaft – gerade mal 21.000 Personen – in der jungen Bundesrepublik gekommen, damals noch mit aktiver Teilnahme jüdischer Vertreter aus der DDR. Der Jüdische Almanach beschrieb dieses deutsche Nachkriegsjudentum 1952 als eine Gemeinschaft, in der die religiösen Bindungen hinter den sozialen zurücktraten: „Im Mittelpunkt der Arbeit des Zentralrates der Juden oder der Publizistik stehen Fragen der Wiedergutmachung, der Bekämpfung des Antisemitismus, der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Staates Israel. Das Judentum als Religionsgemeinschaft spielt nur eine untergeordnete Rolle.”
In den vergangenen Jahrzehnten haben wir nicht nur einen gewaltigen demografischen Wandel erlebt; auch die Aufgaben des Zentralrats haben sich verändert. Er ist heute viel mehr als eine politische Vertretung: Mit all seinen Institutionen – den beiden Rabbinerkonferenzen, der Zentralwohlfahrtsstelle, der Akademie, die in Frankfurt am Main entsteht – ist er heute auch eine Serviceorganisation für unsere Gemeinden in deren ganzer Vielfalt. Judentum war zu allen Zeiten eine plurale Gesellschaft. Das ist beste Tradition. Gesellschaft bedeutet die Verbindung der Unterschiede. Die Einheitsgemeinde, unter deren gemeinsamen Dach unterschiedliche religiöse Strömungen leben können, ist ein
Erfolgsmodell für solch ein Miteinander. Das gilt auch für den Zentralrat: er bietet das richtige Dach für unterschiedliche Positionen. Wir wissen nicht, wie die nächste Generation mit jüdischen Positionen umgehen wird. Ich wünsche mir aber, dass der Zentralrat in diesem Sinne nicht alt wird, sondern jung bleibt und diesen Positionen aufgeschlossen gegenübertritt. Be’Hatzlacha, viel Erfolg!

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