hauptmotiv

Wo entsteht liberale Halacha?

Die Responsa Committees

von Rabbiner Max Feldhake

In der heutigen liberalen jüdischen Welt wird Halacha als Gegenstand eines öffentlichen rabbinischen Diskurses, zumindest auf institutionelle Ebene, vorwiegend in den Vereinigten Staaten von Amerika thematisiert und ausgearbeitet. Allem voran ist anzumerken, dass sowohl die Reform und Reconstructionist sowie eben auch die Conservative bzw. Masorti Bewegungen unter dem Sammelbegriff „liberal“ betrachtet werden dürfen.

Die Central Conference of American Rabbis (CCAR) ist der größte und wichtigste Dachverband für Rabbiner/innen der amerikanischen Reformbewegung. Obwohl das Reformjudentum die Verbindlichkeit der Halacha ideologisch schon relativ früh abgelehnt hat, hat CCAR wider Erwarten bereits 1906 ein sogenanntes Responsa Committee eingerichtet. Das Responsa Committee widmet sich halachischen Fragen aus Reformperspektive und veröffentlicht regelmäßig Responsa sowie Stellungnahmen. Die ganze Bandbreite an halachischen Themen und Antworten, die im Laufe der Jahre vom CCAR-Responsa Committee aufgegriffen wurden, sind entweder in gedruckten Sammelbänden – herausgegeben Jahrzehnte lang vom Rabbiner Walter Jacob – oder auf der CCAR-Website zu finden. Derzeitige Vorsitzende des Responsa Committees ist Rabbinerin Dr. Joan Friedman. [Siehe https://www.ccarnet.org/rabbinic-voice/reform-responsa/]

Die Rabbinical Assembly (RA) ist der internationale Berufsverband konservativer bzw. Masorti-Rabbiner/innen. Da die konservative Bewegung Halacha als grundsätzlich noch gültig und verbindlich versteht, die sich allerdings in einem stetig werdenden Prozess befindet, werden halachische Fragen von dem 1927 etablierten Committee on Jewish Law and Standards (CJLS) bearbeitet. Analog zum Schulchan Aruch werden Responsa in vier übergeordneten Kategorien aufgeteilt. Das CJLS hat derzeit 25 Mitglieder, Vorsitzender ist Rabbiner Elliot Dorf. Das Committe stimmt über Responsa ab, die von den Mitgliedern eingereicht werden. Bei mindestens sechs Ja-Stimmen gelten sie als angenommen. [Siehe https://www.rabbinicalassembly.org/jewish-law/committee-jewish-law-and-standards]
Sowohl beim Resonsa Committee von CCAR als auch beim CJLS werden tagesaktuelle Themen und deren halachische Aspekte beleuchtet. Beispielsweise gab es in der Corona-Zeit mehrere Responsa zu Themen wie digitale Minjanim, Awelut / Trauerrituale unter eingeschränkten Bedingungen und Social Distancing, sowie in jüngster Zeit auch Responsa zu Themen wie gleichgeschlechtliche Ehe, Gendergerechte Sprache, persönlicher Status, u.v.m. 

Auch wenn die Responsa von den jeweiligen Bewegungen bewilligt werden und als normativ gelten, betonen beide Bewegungen noch, dass die endgültige Entscheidungshoheit bei der individuellen Gemeinde und deren Rabbiner bzw. Rabbinerin liegt. 

Quelle: ARK-Mitteilungsblatt, Rosch Haschana 5785 / 2024.

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