hauptmotiv

SCHAWUOT

Zeit der Gabe unserer Tora

von Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama
Editorial  des ARK Mitteilungsblattes zu Schawuot


Schawuot ist wie Pessach und Sukkot eines der drei biblischen Wallfahrtsfeste, die bis heute im jüdischen Feiertagszyklus eine bedeutende Rolle einnehmen. Es markiert das Ende des Frühlings und den Beginn des Sommers. Schawuot ist biblisch ein Erntedankfest, an dem die Bauern Erstlingsfrüchte der abgeschlossenen Gerstenernte und der gerade begonnenen Weizenernte im Tempel darbrachten. Wie Pessach hat es einen entscheidenden Bedeutungswandel erfahren. Über die agrikulturelle ursprüngliche Bedeutung als Erntedankfest legte sich eine gesellschaftliche Dimension. Aber anders als Pessach kann man diesen Bedeutungswandlung nicht in der Tora nachlesen. Erst die Rabbiner erkannten das Dilemma. Spätestens mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem und der Universalisierung des Judentums über das Land Israel hinaus, spielte die Ernte in den jüdischen Gemeinden keine überragende Rolle mehr. Und so wie die gesellschaftliche Bedeutungserweiterung des Pessach-Mazzot Erntefestes auf die Verbindung mit dem Exodus aus Mizrajim schon in der Tora nachlesbar ist, wurde die gesellschaftliche Bedeutung des Schawuot mit der Offenbarung Gottes auf dem Berg Sinai im Talmud dokumentiert. Hier heißt es dann Schawuot sei seman matan toratenu, die „Zeit der Gabe unserer Tora“. Heute erinnert Schawuot vor wiegend an die Offenbarung der Zehn Gebote am Berg Sinai. So haben die Rabbiner für die Toralesung auch 2 Moses 19–20 bestimmt: die Zehn Gebote werden dabei von der Gemeinde stehend vernommen. Erst am zweiten Tag wird die Anweisung für Schawuot gelesen.

An dieser Entwicklung des Schawuotfeiertages von einem Erntedankfest zu einem gesellschaftlichen Feiertag kann man deutlich ablesen, wie stark die theologischen Ein griffe, ja Neuschöpfungen der Rabbiner des Talmuds waren. Diese waren nur durchsetzbar mit der Vorstellung, dass diese als „mündliche Lehre“ gleichzeitig mit den 10 Geboten und der Tora am Sinai verkündet wurden. Rabbinisches Judentum mit seinen Neuerungen trat nicht als „neue“ Religion wie das Christentum auf, sondern definierte seine Neuschöpfungen als immer dagewesene Traditionen.

Editorial aus dem ARK Mitteilungsblatt, Nr. 14, Schawuot 2023/5783

Artikelarchiv >>
Rabbiner & RabbinerinnenStrömungenPositionenBet DinPublikationenLinksImpressum
Bookmark für: Facebook
Home
logo der allgemeinen rabbinerkonferenz

© Allgemeine Rabbinerkonferenz
Meldungen

Rabbinerin Offenberg mit dem "Blickwechselpreis 2024" geehrt

Die Hamelner Rabbinerin Ulrike Offenberg ist am Freitag (28.06.2024) für ihren Einsatz im jüdisch-christlichen Dialog mit dem „Blickwechselpreis 2024“ geehrt worden. Offenberg habe „von Jugend an den Blickwechsel riskiert“ und dabei Grenzen zwischen Traditionen überschritten, sagte der frühere...

Lesen Sie mehr...

Wie kommt ein Jude in den Himmel?


Paraschat Haschawua

CHUKKAT

Auslegung von Rabbiner Almekias-Siegl

Der Anführer trägt die Verantwortung

Unter den vielen Aussagen im Abschnitt Chukkat möchte ich den Fokus darauf legen, dass Gott Mose beruft. Er gilt als Vater aller Propheten. Doch wird er das verheißene Land niemals betreten. Das ist ein hartes Urteil für den treuen Hirten des Volkes Israel, Gottes Knecht, der das Volk aus Ägypten führte, die Offenbarung auf dem Berg Sinai erlebte und schließlich...

12.07.2024   Lesen Sie mehr...