hauptmotiv

Schabbat - die allwöchentliche Pause

von Rabbiner Jona Simon

Jeden Schabbat lesen wir den Abschnitt über das Einhalten des Schabbat und singen ihn mit einer schönen Melodie. Wobei in dem vorherigen Satz gesagt wird: „Jeder, der Arbeit am Schabbat verrichten wird, soll sterben.“ Dieser Befehl bedeutete die Todesstrafe von Menschenhand. In einem späteren Kapitel wird über so einen Vorfall berichtet. Als einer Holz am Schabbat gesammelt hat, soll er von der Gemeinde außerhalb des Lagers zu Tode gesteinigt werden. Hier wurde zum ersten Mal diese Todesstrafe ausgeübt. Wir sehen, dass die Entweihung des Schabbats sehr streng geahndet wurde. Alles, was mit Heiligkeit zu tun hatte, kannte keine Kompromisse.

Diese Verhältnisse galten während der Wüstenwanderung, denn die Anwesenheit G-ttes begleitete das Volk und damit wirkte Heiligkeit anders und hatte exemplarische Bedeutung. Der rabbinischen Entscheidung nach wurde die Todesstrafe durch den Sanhedrin, das oberste jüdische Gericht, aufgehoben mit der Begründung, dass sonst die ganze Generation nicht bestehen würde und solcherlei Maßnahmen vom Wesentlichen, nämlich vom Glauben und Vertrauen an G-tt, ablenken würden.

Wir sollen am Schabbat keinerlei Arbeit verrichten, kol Melacha lo ta’assu. Was ist das, was am Schabbat verboten ist? Welche Arbeit? Die Rabbinische Auslegung zählt 39 verbotene Arbeiten am Schabbat. Warum 39? – weil das Gebot des Schabbats mitten in der Erzählung vom Bau des Mischkan, des Stiftzeltes, erwähnt ist. Also alle Arbeiten, die notwendig waren, das Zelt zu bauen, zu den Grundarbeiten zählen, den 39 Awot Melacha, die am Schabbat verboten waren.

Der Bau des Mischkan und seiner Geräte hat die Menschen in eine solche Euphorie versetzt und unter Schaffensdruck, dass sie Tag und Nacht gearbeitet haben. Es wird berichtet, dass das Stiftszelt in zwei Monaten gebaut wurde. Auch wenn die Arbeit sehr spannend ist, erinnert Schabbat uns daran, dass wir eine Pause und Entspannung brauchen. Sogar der Bau des Heiligtums sollte unterbrochen werden.

Das Gebot über den Schabbat enthält zwei Seiten: eine verbietende: keine Arbeit zu tun; und eine gebietende: den Schabat zu tun.  Das heißt, dass wir am Schabbat nicht nichts tun, sondern lediglich keine physische Arbeit verrichten und keine Vorbereitungen für die Wochentage treffen. Nicht etwas beenden, nur weil wir unter Schaffungsdrang stehen oder etwas zu Ende führen wollen. Wenn der Schabat-Putz noch nicht beendet wurde, dann ist er halt nicht beendet. Wir hören einfach damit auf. Wir sind so weit, wie wir gekommen sind und legen eine Pause ein.

Auch G-tt hat die Schöpfung der Welt nicht beendet. Beendet wurden lediglich Himmel und Erde Wajechulu HaSchamaim Wehaarez, die Schöpfung an sich war nicht beendet. Warum brauchte G-tt Ruhe? Nicht G-tt brauchte Ruhe, sondern die Welt. Denn es war auch für die Welt eine große Anstrengung sich zu verändern. G-tt hat aber die Arbeit aktiv beendet, damit sich das Geschöpf von der ständigen Veränderung und Erneuerung ausruhen kann. Wenn G-tt nach der Schöpfung der Erde ganz aufgehört hätte, würden wir G-tt in der Tora nicht mehr begegnen. Die Schöpfung wird nach dem Schabbat weiter fortgesetzt.

Was heißt aber Schabbat tun? Indem wir den Schabbat anders als alle anderen Tage der Woche gestalten und eine andere Arbeit tun: z.B. innere Arbeit, intellektuelle Arbeit, Zeit mit der Familie und den Kindern verbringen, Zeit der Gastfreundschaft und anderen schönen Dingen widmen, alles was einen Schabbat „heilig“ macht. Schabbat ist kein passiver Tag. Schabbat sollen wir aktiv und entspannt von anderen Beschäftigungen verbringen.

An dem Tag kommt die Heiligkeit in G-ttes Werk. Die sechs Tage der Woche sind wie ein Körper, der (durch Arbeit) geschaffen wird und Schabbat ist ein Tag an dem dem Körper die Seele gegeben wird. Schabbat wajinafasch. An dem Tag können wir unsere Seele spüren und ihr Ausdruck verleihen und die seelischen Kräfte für die nächste Stufe der Schöpfung sammeln, denn diesen Tag hat G-tt dafür ausgesondert.

Gönnen Sie sich und der Welt eine Pause. Schabat Schalom.

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