hauptmotiv

LECH LECHA

Ein großes Volk

Auslegung von Rabbiner Navon                                                                                                                                 An Simchat Thora beginnen wir wieder mit dem neuen Zyklus der Thoralesung. Am 12. Oktober erfahren wir im Thoraabschnitt „Lech Lecha“ über den geistlichen Ursprung unseres Volkes:
„Und der Ewige sprach zu Awram: ...Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Und ich werde segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verwünschen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.» (Bereschit 12 ).
Der Ausdruck « du sollst ein Segen sein » -- „We-heje Bracha“ bedeutet, dass Awraam und seine Nachkommen, dazu berufen sind, für jeden Menschen ein Segen des Heiligen, gesegnet sei Er, zu werden. Andererseits: „wer dir (d.h. G-ttes Segen, d. A.), flucht, den wird G-tt verwünschen“. Es ist nicht unsere Aufgabe, auf den Fluch der Anderen mit einem Fluch zu antworten. Hier versteckt sich die pragmatische Weisheit des Judentums.
Als ein fremder Prophet, Bileam, versuchte, den bedrohlichen Auszug Israels aus Ägypten durch einen Fluch zu stoppen, ermahnte ihn G-tt: „Du sollst das Volk nicht verfluchen, denn es ist gesegnet.“ Bemidbar  22. Hätte Bileam diese Mahnung nicht gehört, dann wäre er G-ttes Fluch für alle Ewigkeit ausgesetzt gewesen. Diese Geschichte wiederholt sich von Generation zu Generation!
Im Konzentrationslager Theresienstadt hat Regina Jonas, die erste Rabbinerin weltweit, diese G-ttliche Mahnung ihren Zeitgenossen erklärt:
„„Du sollst das Volk nicht verfluchen, denn es ist gesegnet“ (Bemidbar  22,12).
Unser jüdisches Volk ist von G-tt in die Geschichte gesandt worden, als ein „gesegnetes“. Von G-tt „gesegnet“ sein heißt, wohin man tritt, in jeder Lebenslage Segen, Güte, Treue spenden. Demut vor G-tt und selbstlose hingebungsvolle Liebe zu seinen Geschöpfen erhalten die Welt. Diese Grundpfeiler der Welt zu errichten, war und ist Israels Aufgabe. – Mann und Frau, Frau und Mann haben diese Pflicht in gleicher jüdischer Treue übernommen. Diesem Ideal dient auch unsere ernste prüfungsreiche Theresienstädter Arbeit: Diener G-ttes zu sein, und als solche rücken wir aus irdischer in ewige Sphären.
Möge all unsere Arbeit, die wir uns bemühten als Diener Gottes zu leisten, zum Segen für Israels Zukunft sein, und die der Menschheit… Aufrechte ‚jüdische Männer‘ und ‚tapfere edle Frauen‘ waren stets die Erhalter unseres Volkes. Mögen wir vor G-tt würdig befunden werden, in den Kreis dieser Frauen und Männer eingereiht zu werden […] der Lohn, der Dank einer Mizwa, einer Großtat, ist die sittliche Großtat vor G-tt. Rabbinerin Regina Jonas – früher Berlin.“
Am 29. September hatte Regina bat Sarah Jonas (seeligen Angedenkens), Jahrzeit. Sie wurde 1944 mit ihrer Mutter in Auschwitz ermordet, aber ihr geistliches Erbe gibt unserem jüdischen Leben hier in Deutschland sogar nach der Schoa Sinn und Segen.
Jeder von uns, der diese gesegnete Atmosphäre in den Beziehungen unter den Menschen in unserer Gemeinde unterstützt, kann ehrlich G-tt segnen:
„Gesegnet seiest Du, Ewiger, unser G-tt, der uns aus Ägypten, aus dem Haus der Sklaven, und aus den Gruben der Shoa und der Unmenschlichkeit herausgeführt hat!“.

17.10.2013 Artikelarchiv >>
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