hauptmotiv

NOAH

Im Zeichen des ethischen Monotheismus

Auslegung von Rabbiner Alter

Der Toraabschnitt Noa beginnt mit der Flut und endet mit der Geschichte des Turms von Babel.
Vor diesen Katastrophen aber wurden wir mit Adam bekannt gemacht.
Dieser erste Mensch war "im Ebenbild G"ttes" erschaffen worden, und zwischen ihm und Noah vergingen 10 Generationen.

Diese Generationen hatten sich einen fragwürdigen Lebensstil zugelegt, so dass das Böse in der Menschheit dominierte.

Schließlich bedauerte G"tt die Menschheit erschaffen zu haben und entschloss sich, sie von der Erde verschwinden zu lassen.
Die G”ttlosigkeit der Menschheit führte zur Gesetzlosigkeit und schließlich zur Anarchie. Eine Anarchie, aus der heraus die Riesen entstanden und schließlich die Söhne der Mächtigen – im Text als „Söhne der G“tter“ bezeichnet – die einfach taten, was sie gerade wollten.
Es herrschte eine Situation, in der Macht über Recht dominierte. Eine Gesellschaft, in der diese „Riesen“ oder die „Söhne der G"tter“ regierten. Dazu finden sich in der Geschichte viele Parallelen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass „Supermenschen“ glaubten, es sei ihr Recht, diese Welt zu beherrschen. Analog zu unserer Geschichte glaubten auch diese Übermenschen, sie hätten das Recht, andere Menschen zu erniedrigen, zu berauben und zu ermorden.
Was hat diese Parallele mit Noah zu tun? Seine Geschichte beginnt mit: „Noah fand Gnade in den Augen des Herren.“
Er schien also der Hoffnungsträger einer neuen Zeit zu sein.
Aber auch die ihm folgenden 10 Generationen sind nicht wirklich das, was ich mir als Schwiegersöhne wünschen würde.
Ihre Wege führen sie schließlich zum völlig unsinnigen Unternehmen des Turms von Babel, eines Turms, der bis zu G“tt reichen soll.

Es ist unser Auftrag, einen ethischen Monotheismus zu verbreiten.
Der Prophet Micha sagt in seiner Vision einer besseren Zukunft, dass alle Völker ihre Schwerter in Pflugscharen verwandeln und dass kein Volk gegen das andere sein Schwert erhebt und dass wir nie mehr lernen müssen, Krieg zu führen.
Und jedes der anderen Völker wird im Namen seines G“ttes kommen.
Micha sagt auch, dass das Judentum der Welt zwar den ethischen Monotheismus bringen soll, aber dabei ist es für die anderen Nationen dieser Welt nicht wichtig, allen Geboten der Tora zu folgen.
Von den nichtjüdischen Völkern wird nur erwartet, sieben grundlegende ethische Gebote zu befolgen. Jeder, der diesen sieben „noachidischen Geboten“ folgt, gilt als ein Gerechter, egal mit welchem Namen er G“tt anspricht oder welches Ritual er dazu befolgt.

Aber die Generation des Turms zu Babel wendet sich gegen eine solche Position. Der Turm von Babel ist eine Aussage: „ Wer den Himmel beherrscht, können wir nicht bestimmen. Aber wir hier unten müssen eine Macht einsetzen, die vom Himmel bis zur Erde reicht und unter ihrem Namen wird ein totalitäres und zentralistisches Regime nicht nur eine Einheit sondern auch eine Uniformität im G”ttesdienst durchsetzen.

Ich sehe darin eine Parallele zu einem modernen Fundamentalismus, der angeblich im Namen G“ttes Hass und Tod sät. Ein Fundamentalismus, der versucht, seine Werte für alle Menschen dieser Welt durchzusetzen, wenn es sein muss eben auch mit Gewalt.

Der Generation von Babel bedeuteten Menschen und ihr Leben nichts, aber Ziegel, Lehm und Steine doch sehr viel. Genau wie jenen Fanatikern, die sich selbst menschenverachtend verhalten, solange es nur dem dient, was sie für richtig halten.
Das Zeichen, vielleicht sogar das Kriterium, durch dass G”tt die Welt schützt, wird der Regenbogen sein. Sieben verschiedene Farben, letzten Endes alle nur gebrochenen Lichtreflektionen einer einzigen Farbe.
Dies ist das Symbol für die verschiedenen Rituale und Namen, mit denen die verschiedenen Nationen den einen G“tt anrufen.
Für mich ist das eine elementare Lehre und ein Zeichen der Größe G”ttes, denn wie die Mischna lehrt: "... wenn ein menschlicher König Münzen nach einer Vorlage prägt, dann werden alle Münzen identisch; aber G"tt hat alle Menschen nach einem Adam geprägt und nicht einer von Ihnen ist identisch mit einem anderen.“
Die Tora und unser Glauben sind die Antithese zu aggressivem, wahnhaftem religiösen Fundamentalismus und zu politischem Faschismus. Unsere Nachricht heißt nicht: Krieg, Gewalt und Uniformität. Unsere Nachricht heißt: Frieden, Nächstenliebe und Pluralismus.

11.11.2016 Artikelarchiv >>
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