hauptmotiv

SCHABBAT SCHUWA

In den Zehn Tagen der Umkehr

Auslegung von Rabbiner Sievers

Heute Abend gibt es einen fließenden Übergang zwischen Rosch HaSchanah und Schabbat Ha’asinu. Dieser Schabbat hat aber auch noch einen anderen Namen: Schabbat Schuwa, Schabbat der Umkehr. Es ist der Schabbat, der zwischen  Rosch HaSchanah und Jom Kippur liegt.

In Zeiten, in denen keine regelmäßige Schabbatpredigt in der Synagoge üblich war, wurde nur an zwei besonderen Schabbatot  vom Rabbiner eine längere Ansprache gehalten. Dies war zu Schabbat HaGadol, d.h. dem Schabbat vor Pessach und eben an unserem Schabbat, Schabbat Tshuvah.  Der Titel dieses Schabbats gab auch den Inhalt der Predigt vor, wie auch dieser Radioansprache: Teschuwah – Umkehr.

Die Besonderheit der Zehn Tage der Umkehr leiten die Rabbiner aus Jesaja 55:6 ab, dort heißt es:
„Suchet den Ewigen, da er sich finden lässt, ruft ihn an, da er nahe ist.“ – „Suchet den Ewigen, da er sich finden lässt“, d.h. so die Kommentatoren, solange das Urteil noch nicht gesprochen ist.  Dieses ist genau die Situation zwischen Rosch HaSchanah und für diese Zeit trifft dann auch der zweite Teil unseres Verses zu: „da er dir nahe ist.“

Maimonides schreibt deshalb: „Wenn die Umkehr zu jeder Zeit möglich ist und vom Ewigen angenommen wird, so wird die Umkehr in den zehn Tagen zwischen Rosch HaSchanah und Jom Kippur sofort angenommen“ (Hil. Tshuvah 2:8).

Gemäß Maimonides ist die Umkehr ein Prozess. Es gibt hierbei offensichtliche Bestandteile: Erkennen der Verfehlungen, den Vorsatz, sie nicht wieder zu begehen; falls Schaden angerichtet wurde, diesen zu begleichen, und wenn sich dieselbe Situation wieder ergibt, den Fehler nicht wieder zu begehen. Dies ist alles offensichtlich. Ein Bestandteil fehlt noch: nämlich die Sünden laut zu bekennen, selbst dann, wenn keiner einem zuhört. Diese zuletzt genannte Bedingung scheint auf den ersten Blick nicht nötig. Warum etwas laut aussprechen, wenn kein anderer Mensch es hört?

Mir scheint diese Bedingung fast mit am Wichtigsten am ganzen Prozess zu sein, weil sie am meisten herausfordert. Der Mensch hat eine wunderbare Gabe, ohne die Leben wahrscheinlich gar nicht möglich wäre: die Verdrängung. Stellen Sie sich vor, Sie könnten nichts verdrängen, alles wäre immer und zu jeder Zeit präsent, die guten, wie die schlechten Taten. Was für eine schreckliche Vorstellung!

Bei der Teschuwah können wir uns diese Dinge noch einmal durch den Kopf gehen lassen, auf das wir uns gut gerüstet an Jom Kippur dem Richter stellen.

Schabbat Schalom

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des NDR, dort gesendet am 30.9.2011.


17.09.2013 Artikelarchiv >>
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