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SCHOFTIM

Eingeschränkte Macht des Königs

Auslegung von Rabbinerin Gesa Shira Ederberg

Im heutigen Wochenabschnitt Schoftim finden wir das „Königsgesetz” neben einer Reihe anderer Regeln, die beschreiben, wie das künftige Leben im Lande Israel aussehen soll. Merkwürdigerweise hören wir in den sieben knappen Versen allerdings weniger, was ein König in Israel zu tun hat, sondern vielmehr, was er nicht tun soll, wie seine Macht eingeschränkt ist.
Schon der Beginn dieses Textes ist merkwürdig zurückhaltend: „Wenn Du in das Land kommst, das der Ewige, dein Gott, dir gibt und du es erobert hast und es bewohnst und du zu dir sagst, ich will einen König über mich setzen, wie es alle Völker um mich herum tun. Dann setze über dich einen König, den der Ewige, dein Gott, aus dir erwählt hat ...”

Die jüdische Tradition ist sich nicht einig, ob die Einsetzung eines Königs hier optional oder obligatorisch ist. Zur Erklärung zieht man auch den späteren biblischen Bericht über den historischen Beginn des Königtums mit Schaúl und David in den Samuelbüchern heran, in dem noch deutlicher vom anfänglichen Zögern gegenüber einer Monarchie zu lesen ist. So gibt es drei Erklärungen, die hier alle ein Entgegenkommen Gottes auf Israels eigentlich unangebrachte Wünsche sehen. Die eine Deutung sagt, dass der Wunsch nach einem König legitim sei, aber zum falschen Zeitpunkt geäußert wurde. Die zweite Deutung sieht das Problem in der Begründung, man wolle einen König, „wie alle Völker” ihn hätten. Die dritte schließlich sieht ein Entgegen-kommen Gottes auf Israels Murren und sieht das Königtum noch kritischer als die ersten beiden.

Wir können uns heute kaum vorstellen, wie außergewöhnlich diese biblische Kritik am Königtum zu ihrer Zeit war. Natürlich kann man davon ausgehen, dass es auch unter den Völkern der Antike immer wieder Ärger und Unzufriedenheit mit Königen und Mächtigen gegeben hat. Davon haben wir aber keine Zeugnisse – diese Kritik wurde nicht überliefert und hat sich schon gar nicht in den offiziellen Texten des jeweiligen Volkes niedergeschlagen. Dass in Israel die von den Propheten geäußerte Kritik am Machtmissbrauch  der Mächtigen zu biblischem – heiligem! – Text werden konnte, hat das Leben eines großen Teils der Welt bis heute beeinflusst.

In der Fortsetzung hören wir von drei Einschränkungen königlicher Macht:   Es wird einem König verboten, viele Pferde, viele Frauen und viel Gold zu sammeln. Pferde bedeuten Krieg, Frauen aus fremden Königshäusern bedeuten fremde Religionen. Gold und Silber bedeuten die Ausbeutung des Volkes zugunsten Weniger.

Die einzige konkrete Aufgabe, die dem König gestellt wird, ist, eine Abschrift der Tora zu machen und sich an ihr zu orientieren. Nicht der König ist Gott und Gesetzgeber, sondern Gott ist Gesetzgeber und der König nur der, der Gottes Willen ausführt.

Das vorkönigliche Modell war, dass Gott selber Israel aus Ägypten gerettet und danach geleitet hat, indem er Mosche stets Anweisungen gab. Später hat Gott immer wieder einzelne Richter mit seinem Geist dazu befähigt, die Feinde Israels zu besiegen. Wenn Israel keine Not hatte, gab es auch keine Herrscher. Die Grundlagen der Macht bei Gott zu verorten, zeugt von einer grundlegenden Skepsis gegenüber Praktiken, die zu Machtmissbrauch und Korruption führen können.

Das davidische Königtum wird im Rückblick als gut und gerecht idealisiert – und im täglichen Gebet wird diese Vorstellung einer gerechten Regierung auch für die Zukunft erwünscht.

Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung des NDR, dort gesendet am 24.8.2012.




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