hauptmotiv

TASRIA - MEZORA

Außen und Innen

Auslegung von Rabbiner Rothschild

Die große Frage ist: Kann man von außen sehen, was in einer Person vorgeht? Menschen haben viele Möglichkeiten, ihre echten Gefühle zu tarnen und zu verleugnen – und zwar nicht nur professionelle Schauspieler, die dafür trainieren. Ist ein Lächeln immer ein echtes Lächeln? Sind Leute, die ein sorgloses Gesicht zeigen, wirklich so sorglos und froh, wie sie wirken wollen? Wie wir wissen, kann man vieles verstecken, aber nicht alles. Detektive haben Geräte, die alles Mögliche messen: den Puls, die Temperatur, ob und wie man schwitzt, den Herzrhythmus – ein Lügendetektor schaut sowohl nach inneren als auch nach äußeren Anzeichen emotionaler Belastung. Stress kann zu Errötung oder Ausschlag führen, Haar kann plötzlich weiß werden oder ausfallen ... Falten erscheinen, dicke graue Falten auch unter den Augen ...

Die Torah spricht von verschiedenen Möglichkeiten bezüglich solcher auffallenden Symptome. Es könnte sich 'nur' um eine Krankheit handeln. Oder es könnten Symptome von Sündhaftigkeit sein, von Schuld- und Schamgefühlen; von etwas psychischem, nicht physischem.

In diesem Doppelwochenabschnitt 'Tasria-Mezora' aus dem 3. Buch Mose in Kapitel 13 und folgenden, lesen wir, wie ein Priester eine Person, die weiße Flecken auf der Haut bekommt, oder deren Haar ausgefallen ist, genau prüfen muss. Wir lesen also, wie der Priester die Symptome über eine gewisse Periode beobachten muss; wie die Leidenden als 'unrein' bezeichnet werden sollen und isoliert werden müssen, bis klar ist, was mit ihnen los ist. Diese Kapitel in Levitikus sind für viele schwierig, weil sie von Dingen sprechen, die unangenehm sind – von Hautkrankheiten, von Flüssigkeiten, die der Körper ausscheidet. Die meisten Menschen schweigen lieber darüber ...

Also, oben und unten, außen und innen – alles gehört zum Ganzen einer Person. Man spricht davon, jemanden 'auf Herz und Nieren zu prüfen'. Wie prüft man eine Seele?

Die Probleme sind nicht neu und sie bleiben trotz allem häufig ungelöst. So ist es mit biblischen Fragen – wir lesen, was man damals dachte, und haben heute neue wissenschaftliche Begriffe und neue Forschungsergebnisse, aber am Ende bleibt der Mensch ein Rätsel. Einige werden krank, andere nicht. Kann man zwischen körperlichen und psychischen Ursachen unterscheiden? Und wenn ja, wie?

Manche Wissenschaftler meinen, man werde in naher Zukunft durch DNA-Proben alles entziffern können, sogar emotionale Stimmungen und Neigungen. Ich persönlich bezweifle das – der Mensch besteht aus mehr als seinen Zellen. Das sollte man nie vergessen.

05.05.2017 Artikelarchiv >>
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