hauptmotiv

SCHABBAT HAGADOL

Erwachsen werden

Auslegung von Rabbiner Sievers

Der letzte Schabbat vor Pessach heißt Schabbat HaGadol, der große Schabbat. Aber warum? Was ist das besondere an diesem Schabbat? Warum ist nicht auch der Schabbat vor Schawuot, Sukkot und Rosch Haschana mit einem besonderen Namen ausgestattet?

Hierfür gibt es viele Erklärungen.

Gemäß der Tradition im Traktat Schabbat 87b war der 15. Nissan, der Tag des Auszugs aus Ägypten, ein Donnerstag. Demzufolge wurde das Pessachopfer am Mittwoch geschlachtet. In Schemot Kap. 12,3 erfahren wir, dass unsere Vorfahren sich das Lamm am 10. Nissan nehmen sollten. Nach dieser Rechnung ergibt sich, dass dieser Tag auf einen Schabbat fiel.

Als sie, die Israeliten, die Pessachopfer nahmen, welches am Schabbat geschah, banden sie es jeder an sein Bettpfosten. Hierauf fragten die Ägypter: Was hat das zu bedeuten? Sie antworteten: Um das Lamm, auf Geheiß des Ewigen, für Pessach zu schlachten. Dieses ging ihnen, das heißt den Ägyptern, durch Mark und Beine weil sie, die Israeliten, ihre Götter schlachten würden, sie aber konnten nichts sagen. Aufgrund dieses Wunders nennt man diesen Schabbat "Schabbat HaGadol".

Aber was genau war das Wunder?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir uns die Situation unserer Vorfahren in Ägypten noch einmal in Erinnerung rufen.

Es wäre eine große Übertreibung zu sagen, dass die Juden in Ägypten eine stark ausgeprägte jüdische Identität gehabt hätten. Das Gegenteil ist richtig. Laut dem Midrasch waren sie sehr assimiliert und wurden nur aus Ägypten befreit, weil sie drei Bräuche hielten: Sie beschnitten weiterhin ihre Söhne, sie verrieten keine Geheimnisse, und sie gaben ihren Kindern jüdische Vornamen. Sie werden mir zustimmen, dass dies nur ein Minimum an Identität darstellt. Die vordringlichste Erfahrung dürfte gewesen sein, dass sie von den Ägyptern tagtäglich unterdrückt und so an die Tatsache erinnert wurden, dass sie Juden waren. Auch das Vertrauen in den Ewigen war nicht sehr stark ausgeprägt, wie die späteren Meutereien eindrucksvoll belegen.

In dieser Situation ergeht an sie die erste Mitzvah, das erste Gebot, sich ein Lamm als Opfer auszusuchen, ein Tier, das den Ägyptern als heilig galt, es für die Schlachtung vorzubereiten und dann in diesem Zustand vier Tage den Ägyptern die Sinnlosigkeit ihres Glaubens vorzuhalten. Was für eine Provokation!! Aber auch, was für ein Vertrauen in den Ewigen. Dieses Vertrauen war das eigentliche Wunder, es war nicht zu erwarten.

In der halachischen Literatur ist ein Gadol eine religionsmündige Person. Indem unsere Vorfahren so bereitwillig die erste Mitzva befolgten, die ihnen geboten wurde, hatten sie ihre Bar Mitzvah so wurden sie zu einem Gadol.

Es lehrt, dass jede Befreiung auch einen Preis hat. Dieser mag nicht hoch sein, aber dennoch war er auch von den Taten unserer Vorfahren in Ägypten abhängig. Und was für unsere Vorfahren galt, gilt auch für uns.

Ich wünsche Ihnen Schabbat Schalom und ein koscheres Pesach 


Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Norddeutschen Rundfunks, dort gesendet am 15. April 2011.

21.04.2017 Artikelarchiv >>
Rabbiner & RabbinerinnenStrömungenPositionenBet DinPublikationenLinksImpressum
Bookmark für: Facebook Bookmark für: Google
Home
logo der allgemeinen rabbinerkonferenz

© Allgemeine Rabbinerkonferenz
Meldungen

Chag sameach

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz
wünscht ein frohes und friedliches
Pessach-Fest und gesegnete Feiertage.

Chag Pessach kascher wesameach!



Lesen Sie mehr...

Portrait Rabbiner Henry Brandt


Paraschat Haschawua

BEHAR - BECHUKOTAI

Auslegung von Rabbinerin Deusel

Erholung für das Land

Die Tora fordert, achtsam mit der Schöpfung umzugehen. Alle sieben Jahre soll der Boden ruhen

Sieben ist die Vollendung, acht ist der Neubeginn, so lehrt es uns die jüdische Mystik. Sieben Tage der Schöpfung – sechs Tage des Schaffens, der siebte ein Tag der Ruhe, geheiligt vom Ewigen selbst. So wie der siebte Tag der Woche ein Ruhen zur Ehre des Ewigen ist, so...

19.05.2017   Lesen Sie mehr...