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MISCHPATIM

Fasse Dein Gebet kurz

Wann ist es angemessen zu beten, und wann sollen wir nicht beten, sondern handeln? Diese Frage passt gut zu unserem Wochenabschnitt.

Auslegung von Rabbiner Alter

Maimonides hat festgestellt, dass hier die biblische Quelle für das Gebet zu finden sei: "Und dienen sollt Ihr dem Herren, Eurem G"tt ."

Vor zwei Wochen haben wir aus der Tora gehört, wie das Volk Israel sich in Gefahr befand. Hinter Ihnen jagten die Ägypter her und vor sich hatten sie die Fluten des Meeres. Das Volk Israel fängt daraufhin an, sich bei Moses zu beschweren. Also ruft/betet Moses zu G"tt und der Ewige antwortet ihm: "Warum rufst Du zu mir? Rede zu den Kindern Israels, dass sie endlich aufbrechen."
 
Raschi interpretiert G"ttes Antwort : "Der Ewige sagte zu Moses: ´Das ist nicht die Zeit für ausführliches Beten, wenn das Volk Israel sich in tödlicher Gefahr befindet.`"
Diese Interpretation leuchtet mir erst einmal nicht ein! Wann sollen wir denn überhaupt jemals ausführlich beten, wenn nicht in dem Moment, in dem wir uns in einer so dramatischen Situation, in Lebensgefahr befinden?  

Der Talmud kann uns an dieser Stelle weiterhelfen:
Rabbi Jossi lief eine Straße entlang, und schließlich betrat er eine der Ruinen,  um zu beten.
Elijah, der Prophet, wartete bis er sein Gebet beendet hatte und sagte dann zu ihm: "Warum, bist Du in diese Ruine hinein gegangen?"
Rabbi Jossi antwortete: "Um zu beten!" Elijah: "Du hättest doch auf Deinem Weg beten können." Rabbi Jossi: "Ich hatte Angst, dass Passanten mich stören und unterbrechen würden." Elijah: "Du hättest ein abgekürztes Gebet sprechen sollen."       

Wenn wir so etwas von einem Propheten hören, dann hat das ein großes Gewicht. Was wollte also Elijah dem Rabbi Jossi beibringen?
Er lehrte:
Betrete keine Ruine zum Beten!
Bade und wälze Dich nicht in Kummer und Sorgen, und ersticke nicht an Deinen Tränen.
Brich endlich auf, zu Deiner Reise zur Erlösung.
Beten musst du unterwegs, auf dem Weg zur Erlösung.  

OK, du hast Angst, dass Passanten Dich abhalten oder stören. Sie werden versuchen, dich aufzuhalten mit Mobbing, Drohungen, mit Terror, mit radikalem Denken und Fühlen. Sie werden vielleicht versuchen, Dich zu töten und Dich mit Ihrem grundlosen Hass auf ihr Niveau herunterzuziehen. 

Das ist der Straßenzoll, den wir auf unserem Weg zu Erlösung, Freiheit und Frieden zahlen. 

Also: Bete um G"ttes Schutz und Hilfe. Aber pass auf, dass Du Dein Gebet kurz fasst und vor allem, dass es von Taten begleitet wird.

Vielleicht ist es genau dass, was Raschi uns sagen wollte. G"tt hatte nicht zu Moses gesagt: "Bete nicht!".

Er sagte vielmehr: Mache Dein Gebete nicht zu umfangreich, und mache es nicht zu einem Gebet, dass von Taten losgelöst ist.
"Spreche zu den Kindern Israels und lasse sie ihre Reise beginnen."

Werfen wir noch einen Blick auf Maimonides und seine Quelle für das Gebet.  "Und dienen sollt Ihr dem Herren, Eurem G"tt." Im Zusammenhang heißt es: "Ich werde einen Engel vor Euch her senden, Euch auf dem Weg zu beschützen und Euch an den Ort zu bringen, den ich Euch bereitet habe. Mein Engel wird vor Euch herziehen und Euch in das Land der Emoriter, Hititer, Kanaaniter und Jebusiter bringen. Und ich werde es in Eure Hand geben. Und Ihr werdet dem Herren, Eurem G"tt, dienen."

Hier geht es natürlich um den Einzug nach Israel und das in einer klaren Sprache und mit einer klaren Nachricht. Neben dem aktiven Handeln muss es das Gebet geben. Das Gebet alleine aber wird uns niemals zum Ziel führen.

Nachmanides sagte: "Falls Krieg in Deinem Land herrscht, gegen einen Feind, der dich angreift, dann sollt ihr den gebrochenen Stakkato-Ton der Hörner klingen lassen, G"tt wird Eurer gedenken, und Ihr werdet gerettet vor Euren Feinden"   

Den Stakkato-Ton der Hörner interpretieren unsere Weisen als Seufzen und Klagen, als Schmerzenslaut vor dem Ewigen.

Nachmanides besteht darauf, dass wir in Zeiten der Not und unter großem Druck beten sollen. Aber auf jeden Fall sollen wir parallel zum Beten handeln.

Einen Kampf kämpfen gegen den Feind, der uns zerstören kann, und einen Kampf gegen den Feind - sei es ein innerer oder ein äußerer Feind - der uns von unseren eigentlichen Zielen ablenken kann, indem er unsere Moral zerstört.

Egal mit wem wir nun die Klinge kreuzen werden: "Laßt uns beten!“ Aber lasst uns das Gebet kurz halten. Ein kurzes Gebet auf der langen Straße in die Erlösung, in die Freiheit und in den Frieden!!

Shabbat Shalom.  

03.03.2017 Artikelarchiv >>
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