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BO

Gott ist nicht der Verursacher des Unglücks

Auslegung von Rabbiner Lengyel

Der morgige Wochenabschnitt „Bo“, auf Deutsch „Tritt ein!“, beschäftigt sich mit dem Pessachfest. Nun es ist zu früh, über Pessach, das erst im April beginnt, zu sprechen.

In der vergangenen Woche lasen wir über die ersten sieben Plagen, jetzt geht es um weitere Plagen und die letzten Auseinandersetzungen von Moses mit Pharao vor dem Auszug der Kinder Israel aus Ägypten.

Der erste Vers lautet: „Der Ewige sprach zu Mose: geh zu Pharao, denn ich habe sein Herz verhärtet …“

Moses und Aron kamen vor den Pharao und stellten die Forderung: „Let my people go“, „Lass mein Volk ziehen“. Der Diktator aber blieb hart. Und es folgte Plage nach Plage.

Den Talmudgelehrten, die meistens auch große Moralisten waren, lag das Schicksal des ägyptischen Herrschers sehr am Herzen. Sie fragten, was es bedeutet, dass Gott das Herz des Pharao verhärtet hat? Sie fragten weiter: Wie konnte überhaupt Pharao zur Rechenschaft gezogen werden, wenn er keine Möglichkeit hatte, Buße zu tun. Wenn Gott ihm die Tore der Rückkehr, der „Teschuwa“ verschlossen hatte, d.h. wenn Gott selbst für die Taten von Pharao verantwortlich war?

Auch die Philosophen und Psychologen von heute beschäftigen sich mit dem Problem der menschlichen Freiheit.

Ist der Verbrecher schuldig, wenn er nach seiner Geburt in einem Umfeld aufwachsen muss, das sein Leben ohne seine Schuld in ein asoziales Milieu führt? Wenn sein Vater ein Trinker war und seine Mutter die Familie verließ?

Viele Psychologen und Staatsanwälte argumentieren häufig so, dass es im Grunde keine Schuld und keine Sünde geben kann, sondern es gibt nur unglückliche Umstände und Ursachen, welche schlimme Konsequenzen nach sich ziehen.

Die Bibel sagt aber etwas anders, wie wir im 5. Buch Moses, Dewarim 30,15, lesen können: Gott hat dem Menschen das Gute und das Böse vorgelegt. Auch das Leben und den Tod, dass der Mensch aber das Leben wählen solle. Das heißt aber, dass der Mensch sich selbst für das Gute entscheiden kann.

Die Rabbiner meinten, dass Gott vor der Geburt eines Menschen festlegt, ob er groß oder klein, schön oder hässlich werden würde, aber nicht ob gut oder böse. Sie meinten, dass alles bei Gott liege, aber die Freiheit des Willens beim Menschen.

Der große Gelehrte Maimonides sagte dazu, dass wir diese Tatsache zwar nicht verstehen können, aber dass die ganze Tora keinen Sinn hätte, wenn Gott entscheiden würde, welcher Mensch böse und welcher gerecht wird.

Deshalb ist Gott auch nicht der Verursacher des Unglücks, das Menschen anderen Menschen antun. Für mich ist die Lehre daraus wichtig: wir sind für unser Tun und Lassen selbst verantwortlich!

Schabbat Schalom!

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Norddeutschen Rundfunks, dort gesendet am 23.1.2015.

14.01.2022 Artikelarchiv >>
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