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BEHA'ALOTCHA

Erstgeborene

Was ist so wichtig, so besonders am ältesten Kind, am Erstgeborenen?

Auslegung von Rabbiner Rothschild

Im Tora-Abschnitt an diesem Schabbt lesen wir über diese Frage. Gott spricht zu Mose, Numeri Kapitel 8 Vers 17: "Denn mir gehört jeder Erstgeborene unter den Kindern Israel, von Mensch und Vieh; für alles, was den Mutterleib erschließt, alle Erstgeburt der Kinder Israels, habe ich mir sie genommen."

Mit ihrem ersten Kind werden Menschen zu Eltern. Eine Transformation.

Plötzlich haben sie einen völlig anderen Lebensstil, Verpflichtungen. Sie haben jetzt ein Kind, auf das sie aufpassen, das sie erziehen müssen. Mit dem zweiten Kind kommt nicht noch einmal ein so grundsätzlicher Wandel - nur mehr Arbeit. Und vielleicht Streit und Neid zwischen den beiden Kindern, Geschwistern. Ich habe drei. Wie es mit zehn oder zwölf Kindern zu Hause ist, weiß ich nicht. Obwohl, rein arithmetisch gesehen, muss dann das älteste Kind schon fast ein Teenager sein, kein Kind mehr. Früher was das nicht so außergewöhnlich, und alle wurden geliebt.

Trotzdem werden viele Eltern - und Kinder - verstehen, wenn ich sage, es gibt Unterschiede. Manchmal wird beim ersten Kind ein großes Fotoalbum angelegt, alles wird darin festgehalten – die erste Windel, die ersten Schritte, jeder Geburtstag, der erste Schultag. Beim zweiten Kind gibt es auch noch einige Bilder. Und beim dritten Kind - naja, wer hat schon die Zeit, ständig die Kamera hervorzukramen?
Das ist nicht böse gemeint, es ist eben so.

Der Erstgeborene ist die Garantie der Zukunft. Er ist ein Zeichen dafür, dass die beiden Ehepartner fruchtbar sind. Manchmal bedeutet das eine grosse Erleichterung für alle Beteiligten. In den meisten Gesellschaften wird der Erstgeborene erben. Er wird die Dynastie fortsetzen - in Königshäusern, in Familienbetrieben und auf Bauernhöfen.

Habe ich 'Er' gesagt? Naja, tut mir leid, es ist ein Zitat, ich habe es nicht geschrieben, so ist es manchmal. Wenn die ersten Kinder Mädchen waren oder krank geboren wurden oder als Zwillinge zur Welt kamen, war das zu alten Zeiten für viele ein Problem. (Schauen wir etwa auf die Geschichten von Isaak, Jakob, Josef und andere).
Mit einem Sohn dagegen war garantiert, dass der Familiename weiter existieren würde. Es wird eine nächste Generation geben. In England war es in adeligen Familien Brauch, dass der erstgeborene Sohn den Titel erbte, der zweite sollte zur Armee, weil es für ihn nichts mehr zu erben gab - und der dritte wurde Priester - die Kirche kam für ihn auf.

Im alten Israel und seinen Nachbarvölkern war das ganz anders  - der Erstgeborene wurde zur Priesterschaft berufen, er wurde sozusagen Gott geschenkt. Die erstgeborenen Tiere wurden geopfert – genau wie die ersten Früchte beim Erntedankfest.
Viele Geschichten erzählen von den Erstgeborenen: Samuel wurde an den Tempel abgegeben. Die Töchter von Zelophechad verlangten die Rechte der nicht-geborenen Söhne. Und die ältesten Söhne spielten eine Rolle bei der Flucht Israels aus Ägypten: Gott tötett alle Erstgeborenen und vernichtett damit das gesamte religiöse Personal der Zukunft, er zerstörte damit die Infrastruktur.

Erstgeboren zu sein ist aber auch nicht immer einfach. Man ist verantwortlich.
Man ist nicht so frei wie andere, jüngere Geschwister. Es gibt Erwartungen. Manchmal soll man den Thron oder die Firma übernehmen, ob man nun möchte oder nicht, ob man nun geeignet ist, oder nicht. Man soll Vorbild sein für die anderen Kinder. Man ist der älteste, man muss also der beste sein.
Ob das nun 'fair ' ist oder nicht.

Letzten Endes ist es nicht so wichtig, in welcher Reihenfolge wir geboren werden, sondern wie wir dann leben - und wie wir schließlich sterben. Nicht WAS wir sind, sondern WER wir sind, soll ausschlaggebend sein.
Denken Sie daran!



Abdruck mit freundlicher Genehmigung des rbb, dort gesendet am 17. Juni 2005.

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