hauptmotiv

WAJERA

Schwere Bedenken

Auslegung von Rabbiner Wolff

Ich habe heute eine Frage an Sie, meine Zuhörer, die völlig unfair ist. Wenn Sie an
Abrahams Stelle gewesen wären, hätten Sie ihren Sohn, sollten Sie einen haben, auf
den Altar gebunden um ihn zu schlachten, und somit Gott ein Opfer zu bringen?
Die Frage ist völlig unfair, denn Abraham hat ja in einem völlig anderen Zeitalter
gelebt und in einer Zivilisation, wo das Opfern von Kindern akzeptiert war – was
heute unvorstellbar ist. Und es ist eben unfair ein vergangenes Zeitalter an den
Maßstäben unserer Tage zu beurteilen.
Aber wenn man die Geschichte, die im Judentum niemals als das Opfer Isaaks
beschrieben wird, sondern nur als das Binden von Isaak, als Akeida, und Akeida
heißt eben Binden, denn Isaak wurde ja zum Schluss nicht geopfert, sondern nur
auf dem Altar gebunden. Wenn man die Geschichte mit den Maßstäben des frühen
Zeitalters betrachtet, in der sie geschrieben wurde, dann kann man doch für uns
relevante Lehren daraus ziehen
Sie zeigt in dramatischer Weise das Vertrauen dass Abraham Gott geschenkt hat,
ein Vertrauen, dass bis zur unbedingten Gehorsamkeit geführt hat. Einerseits ist
solch ein Vertrauen, von Mensch zu Mensch und von Mensch zu Gott, doch
bewunderungswert. Andererseits ist es für moderne Menschen schwer zu
akzeptieren, besonders wenn es zum Opfer eines unschuldigen Kindes führt.
Also warum hat Abraham nicht Einwände erhoben, als er meinte, dass Gott ihm
diesen Befehl gegeben hat. Er hat ja Gott auch durch seine starken Argumente
davon abgebracht, Sodom und Gomorrah zu zerstören. Damals hat er sich nicht
gescheut den Mund aufzumachen. Also warum dieses Mal nicht?
Wir können heute das unbedingte Gottesvertrauen von Abraham bewundern, oder
wir können, so wie ich, unsere schweren Bedenken dazu äußern.
Aber eine Lehre steht trotz aller heutigen Bedenken ganz fest. Sie ist in den
Worten des Engels enthalten, der Abraham vom Opfer seines Sohnes abgehalten
hat. Gott verlangt keine menschlichen Opfer. Ganz im Gegenteil. Gott hat den
Menschen nicht geschaffen, damit er geschlachtet und aufgeopfert wird. Darum
verabscheut Gott jeden Streit und ganz besonders jeden Krieg, auf welchem Erdteil
er auch heute statt findet. Dass ist die ewige Lehre welche die Bibel uns mit dieser
Geschichte des Bindens von Isaak vermitteln wollte. Bis in alle Ewigkeit.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des rbb, dort gesendet am 18.10.2013.

14.11.2014 Artikelarchiv >>
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