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MASSEJ

Ist das der beste Weg?

Auslegung von Rabbiner Rothschild

Kann ein Multi-Kulti Staat wirklich funktionieren? Wir beschäftigen uns mit diese Frage schon seit Jahrtausenden. In unserer Sidra für diese Woche, sind die Voraussetzungen nicht sehr gut, nicht sehr angenehm. Den Israeliten wurden von Gott befohlen, alle Kanaaniter einfach aus dem Land zu vertreiben, um jede Vermischung zu vermeiden. Die Grenzen wurden dann festgesetzt, und alles sollte seinen Weg weitergehen ...
Im 4. Buch Mose, Kapitel 33, Vers 55 - sagt Gott: "Wenn ihr aber nicht die Bewohner des Landes vor euch her vertreibt, so werden die, die ihr von ihnen übrig lasset, euch zu Dornen in den Augen und zu Stacheln in den Seiten werden und euch in dem Lande, in dem ihr wohnet, bedrängen."
Keiner hat die Kanaaniter gefragt, was sie von dieser Massnahme hielten.
Tatsache ist, das Leben ist nie so einfach. In jedem Land gibt es Minderheiten, ob kulturell, religiös, politisch oder sogar ethnisch definiert. Ich bin selbst hier als Ausländer, als Mitglied einer Minderheit - den Engländern - in Deutschland. Obwohl mit sogenannter ‘deutscher Abstammung’, was das auch bedeuten soll. Im November 2007 stellte sich auf Grund eines schweizerischen Gen-Forschungsprojektes heraus, dass "lediglich sechs Prozent aller Deutschen väterlicherseits germanischen Ursprungs sind". Dreißig Prozent stammen danach von Osteuropäern ab, und sogar zehn Prozent haben jüdische Vorfahren!! Fast 20.000 Gen-Analysen wurden verglichen. ‘Welt Online’ schrieb: "Die Genforscher kamen bei der Untersuchung der mütterlichen Linien überdies zu dem Ergebnis, dass die deutschen Frauen wesentlich häufiger als die Männer germanischer Abstammung sind, nämlich zur Hälfte. Die Forscher erklären diesen Unterschied mit der durch Kriege verursachten kürzeren Lebenszeit der männlichen Ahnen." Wir sehen also, wer wirklich seine genetische Wurzeln behalten und weitergeben will, soll nicht in den Krieg ziehen!
Die Frage ist also nicht, wie ein Volk alle anderen austreiben, vertreiben oder ausrotten kann, sondern, wie man in Wirklichkeit miteinander umgehen kann. Hier gibt uns die Bibel leider wenig Hilfe. Fundamentalisten möchten gern in einer schönen, bequemen Welt leben, in der alles von Gott bestimmt ist und man nicht mehr selbst denken muss; andere, gebildete und aufgeklärter Gläubige müssen mit diesen Widersprüchen irgendwie zurechtkommen. Im modernen Staat Israel findet man nicht nur Synagogen sondern Kirchen verschiedener Strömungen, man findet Moscheen - sogar auf dem Tempelberg; man sieht ein Bahai Tempel, ein Mormonen-Universität und viele andere Beispiele religiöser Vielfalt und Toleranz - Toleranz aus der Perspektive des Staates, wenn nicht der unterschiedlichen Religionen selbst! Rassisten denken nur in Genen und Blut, und das spart sehr viel Arbeit beim Denken.
Es gibt Zeiten, in denen man einen Bibelvers liest und denkt: Ist das wirklich das beste Weg? Das zu sagen, braucht Mut. Aber was wäre ein Religion, ohne Mut?

01.08.2014 Artikelarchiv >>
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