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Abraham Geiger Kolleg Berlin

Angehende Rabbinerin Jasmin Andriani

von Julia Haak

Jasmin Andriani nimmt eine Torarolle aus dem Schrank und legt sie auf ein kleines Pult mitten im Raum. Sie entfernt die Krönchen auf den Rollenenden, zieht den schützenden Stoff vom Pergament und knotet die Bänder auseinander, die die beiden Rollen zusammen halten. Jeder Handgriff ist ihr selbstverständlich. Sie hat sich so viele Jahre mit den Ritualen und den Hintergründen, ihrer Religion beschäftigt. „Da denke ich gar nicht mehr drüber nach“, sagt sie.

Wer hätte das gedacht. Jasmin Andriani jedenfalls nicht. Und jetzt ist sie, eine junge Frau, 35 Jahre alt, im Begriff, Rabbinerin zu werden. Bald wird sie ordiniert. Acht Jahre Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg in Berlin und an der Universität Potsdam liegen hinter ihr.

Das Abraham Geiger Kolleg gibt es jetzt seit 20 Jahren

Der Ort, oberhalb der Paris-Bar an der Kantstraße in Charlottenburg ist seit Jahren ein besonderer. Es ist ein Ort des Gebets und der inneren Einkehr. Auf drei Etagen wird dort gelehrt, diskutiert, gebetet. Eine Menge Bücher stehen in den Regalen, die hier die Wände bedecken, der Talmud und Schriften zum hebräischen Bibelkanon, Diskussionsbeiträge zu jüdischem Leben, philosophische Einlassungen. Es gibt Arbeitsräume mit großen Tischen für Gesprächsrunden und auch eine kleine Synagoge. Zwei angehende Kantoren üben dort gerade, während sich Jasmin Andriani mit den Torarollen beschäftigt.

20 Jahre gibt es das Kolleg in diesem August. 35 Rabbiner und Kantoren haben in dieser Zeit dort ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Männer wie Frauen. Zurzeit lernen am Kolleg 18 Rabbiner- und acht Kantorenstudierende. Neun von 26 sind Frauen.

Frauen werden Rabbinerinnen - es tut sich etwas in der jüdischen Gesellschaft

Wenn man Jasmin Andriani fragt, wie es kam, dass sie einen Beruf ergreifen will, den man gemeinhin mit älteren Männern mit Bart und Hut assoziiert, wann sie anfing, sich dafür zu interessieren, erzählt sie, eine kleine Geschichte, in deren Verlauf sie vor ihrem Badezimmerspiegel landete und sich selbst prüfend in die Augen blickte. Sie sah eine junge Frau, Mitte 20.

Ja, warum eigentlich nicht? Aber als Frau? Ja, gerade als Frau. Allein der Gedanke war herausfordernd. „Ich mag Herausforderungen“, sagt sie heute und lacht so frei und offen, dass man mitlachen muss und die Frage etwas Absurdes bekommt.

Dabei ist die Antwort ausgesprochen interessant. Es tut sich etwas in der jüdischen Gesellschaft in diesem Land. Frauen werden Rabbinerinnen. Damit ist die kleine jüdische Minderheit schon mal einen Schritt weiter als die vergleichsweise riesige katholische Kirche.

Das liberale Judentum zeigt sich am Abraham Geiger Kolleg

In Deutschland, dem Land, von dem die Schoah ausging, entsteht oft der Eindruck, jüdisches Leben sei, wenn es wieder entsteht, zwangsläufig orthodox. In den Lokalen rund um die Oranienburger Straße in Mitte sitzen abends Familien, in denen die Frauen Perücke oder Hut tragen und die Männer Kippa, schon kleine Jungs tragen religiöse Kopfbedeckung. In Mitte und Wilmersdorf sind in den vergangenen Jahren neue orthodoxe Gemeinschaften entstanden. Gern treten Politiker gemeinsam mit Rabbinern in langen Mänteln und mit dunklen Hüten auf und zünden gemeinsam Lichter an wie den großen Leuchter am Brandenburger Tor zu Chanukka. Die traditionelle Kleidung wirkt plakativ, ein leicht zu verstehendes Bild für jüdisches Leben in der Stadt.

Das alles verstellt allerdings den Blick darauf, dass es noch viel mehr gibt, ein reformatorisches liberales Judentum nämlich, mit gleichen Rechten für Männer und Frauen, das sich ebenfalls etabliert hat in dieser Stadt und diesem Land. Man sieht es an der Existenz des Abraham Geiger Kollegs.

Das liberale Judentum ist eine deutsche Entwicklung - Regina Jonas war die erste Rabbinerin
Der auffälligste Unterschied ist, dass dort Frauen jüdische Geistliche werden können. Rabbiner, die am Kolleg ausgebildet wurden, seien durchaus in der Lage, auch orthodoxe Gemeinschaften zu betreuen. Darauf weist das Kolleg ausdrücklich hin. Die allerdings würden keine Frau in dieser Rolle akzeptieren.

Und dabei hat alles in Deutschland angefangen. Hier liegen die Wurzeln der Reformbewegung des jüdischen Glaubens.

Das liberale Judentum ist ursprünglich eine deutsche Entwicklung. Regina Jonas (1902-1944) war die erste Frau weltweit, die zur Rabbinerin ordiniert wurde. Sie war eine Deutsche, eine Berlinerin. In den 1930er- und 40er-Jahren predigte sie in Berliner Synagogen, was eine intensive öffentliche Auseinandersetzung zur Folge hatte. Sie konnte religiöse Feste feiern, religionsgesetzliche Handlungen blieben ihr allerdings verwehrt. Die weitere Diskussion wurde dann durch den Nationalsozialismus, Unterdrückung und Auslöschung abgeschnitten. Regina Jonas wurde in Auschwitz ermordet.

Liberale Ideen kamen lange von außen

Lange Zeit war Deutschland geradezu abgekoppelt von internationalen Entwicklungen. Während die liberalen Gemeinschaften heute weltweit das Judentum prägen, ist im Mutterland dieser Bewegung die Situation umgekehrt. Ein Großteil der Juden ist mit liberalem Judentum noch gar nicht in Verbindung gekommen. Jasmin Andriani würde gern für eine Mehrheit sprechen. „Ich sehe mich nicht in einer radikalen verrückten Richtung, abgedriftet von der Mehrheit“, sagt sie.

Es wird sich wohl aber noch eine Weile so anfühlen. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten sich in Deutschland reformatorische Ideen, noch weit entfernt allerdings von gleichen Rechten für Männer und Frauen. Mit den vor der systematischen Verfolgung durch die Nazis Flüchtenden kamen die Gedanken nach Amerika, wo sie sich weiter entwickelten und von wo sie erst jetzt wieder zurückkommen.

Heute setzt sich die jüdische Gemeinschaft in Deutschland in der Hauptsache aus Menschen zusammen, die ihre Wurzeln in Osteuropa und Russland haben und damit in der Orthodoxie. Liberale Ideen kamen lange von außen.

Ein Versuch, selbst zu gestalten, die Theologen selbst praktisch für die Arbeit in Gemeinden auszubilden, ist das Abraham Geiger Kolleg. Es ist das erste liberale Rabbinerseminar, das nach der Schoah in Kontinentaleuropa gegründet wurde. Es beruft sich auf den Rabbiner Abraham Geiger (1810-1874), der in Berlin 1872 eine Hochschule für die Wissenschaft des Judentums mitgründete. Im August 2020 wird das Kolleg nach Potsdam ziehen an die Universität, mit der es bereits partnerschaftlich verbunden ist. Es ist ein weiterer Schritt des Kollegs, erwachsen zu werden.

Fragt man den Rabbiner Walter Homolka, Rektor und Gründer der Einrichtung, aus welchem Impuls, er vor 20 Jahren das Abraham Geiger Kolleg schuf und wo es heute steht, gewinnt man den Eindruck, dass es eine Notwendigkeit für eine solche Ausbildungsstätte gab. „Im Judentum bewegt sich eben was“, sagt Homolka. Ob es Ehen von Juden und Nicht-Juden sind, die Gleichstellung der Frau oder die Anerkennung von Homosexualität. In den 70er-Jahren ist die erste Frau in Amerika ordiniert worden, heute seien über die Hälfte der amtierenden Rabbiner in Amerika Frauen, genau wie die aktuelle Präsidentin der Zentralkonferenz amerikanischer Juden eine Frau ist. Aus Homolkas Sicht ist Rabbiner ein Frauenberuf.

Nur in Deutschland nicht. Im ganzen Land gibt es nur acht Rabbinerinnen. Und auch die wurden nicht alle hier ausgebildet. Das Mutterland der Reformbewegung im jüdischen Glauben, hat durch die Shoa den Anschluss verloren. Nur ganz zaghaft kommt etwas zurück. Über 70 Jahre nach Kriegsende.

Das Kolleg ist von der Zentralkonferenz amerikanischer Juden anerkannt - und damit weltweit legitimiert
Dabei habe es auch im Nachkriegsdeutschland einzelne liberale Rabbiner gegeben, sagt Homolka, und die Einheitsgemeinden seien nicht ausschließlich orthodox gewesen. „Man wählte einen Mittelweg, um alle an Bord zu halten und schuf eine Schutz- und Trutzburg. 1989 gab es nur 25.000 Juden in ganz Deutschland“, sagt er. Geprägt von ostdeutschen Zuwanderern, weil die meisten deutschen Juden, die zur Nazi-Zeit geflüchtet waren, nicht in ihr Heimatland zurückkehrten. Wenn auch nicht jeder einzelne, so habe doch wenigstens der Rabbiner orthodox und damit ein leuchtendes Vorbild zu sein, so sei jedenfalls die verbreitete Meinung gewesen. Liberaler Geist sei vor 1989 nur in der amerikanischen Militärseelsorge verbreitet gewesen, sagt Homolka. Mit der Zuwanderung von 200.000 russischen Juden verstärkte sich der Trend noch. Als die Amerikaner abzogen, gründeten sich erste liberale Gemeinden – gegen den Widerstand etablierter Institutionen wie dem Zentralrat. „Und da musste es ja auch Geistliche geben, die sich diesen Gemeinden zuwenden“, sagt Homolka.

1999 gründete er deshalb gemeinsam mit dem amerikanischen Rabbiner Walter Jacob das Kolleg. Ignatz Bubis, der langjährige Zentralratspräsident war gerade gestorben, die Nachfolge noch ungeklärt. Ein Vakuum, in dem Neues entstand. So stellt es Homolka dar.

Mittlerweile ist das Ganze recht etabliert, ein Partner-Institut der Uni Potsdam, verbunden mit dem Moses Mendelssohn Zentrum von Julius Schoeps, vom Bund und dem Land Brandenburg unterstützt und über die Kultusministerkonferenz zu einer von allen Ländern gemeinsam getragenen Institution entwickelt. Das Kolleg ist von der Zentralkonferenz amerikanischer Juden anerkannt. „Die nehmen automatisch unsere Absolventen auf. Damit sind sie weltweit legitimiert, eine Arbeitsstelle anzunehmen. Wenn man in Amerika akzeptiert ist, läuft alles andere von selbst“, sagt Homolka.

In Deutschland gibt es 27 liberale Gemeinden - Tendenz steigend

Es ist amüsant, Homolka zuzuhören, wenn er von den konservativen jüdischen Kräften im Land spricht, die den liberalen Geist am liebsten austrocknen würden und davon wie die jungen Absolventen bei den älteren Herrschaften in ihren Gemeinden punkten, weil sie neben jugendlicher Frische und weiblichem Charme auch noch Kompetenz mitbringen. Um Vorurteile zu überwinden, müssen die jungen Frauen dann aber auch schon mal Probepredigten halten.

Die internationalen Entwicklungen scheinen dem kleinen Kolleg nicht zu schaden. Im Gegenteil. Homolka stellt zwar zunehmend konservative Strömungen in Israel wie auch in Europa fest, aber international sei das Liberale nicht mehr aufzuhalten. „Weltweit gibt es einen erdrutschartigen Wandel zum Reformjudentum“, sagt Homolka. Klare Pole mit orthodoxen und liberalen Strömungen, sieht er sich ausbilden, nur die Mitte dünne sich immer mehr aus – wie an vielen Stellen der Gesellschaft, so auch hier. „Wenn ich all das zusammen nehme, sind wir total gut im Trend. In Deutschland müssen wir halt ein bisschen länger warten“, sagt er.

In Deutschland gibt es 27 liberale Gemeinden. Homolka glaubt, dass sich die Zahl in den nächsten Jahren erhöhen wird. Eine hohe Akademisierungsrate, der Umzug vom Land in die Städte, ein stärkerer Wunsch nach Mitsprache bei jungen Leuten, mehr Fluktuation in den Gemeinden werden dafür sorgen, glaubt er. „Es gab viel Streit in den letzten Jahren, aber das ist Teil der Heilung“, sagt Homolka. Jedenfalls würden die Absolventen des Kollegs, drei sind es pro Jahr, schnell Stellen finden. Auch die Frauen seien heute überall. Frauen in Führungspositionen gibt es bereits in Hannover, Braunschweig, Göttingen, Stuttgart, München, Straubing und anderswo. Folgt man Homolkas Gedanken, ist alles nur eine Frage der Zeit.

Natalia Verzhbovska ist eine seiner Absolventinnen. Sie betreut in den Gemeinden in Köln, Oberhausen und Unna etwa 500 Menschen. Lange Zeit war sie die einzige Rabbinerin in Nordrhein-Westfalen. Seit ein paar Monaten gibt es noch eine zweite. „In der liberalen Bewegung bin ich nicht exotisch“, sagt Natalia Verzhbovska. Ihre Gemeinden wachsen, in Köln zum Beispiel habe sich die Zahl der Mitglieder in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt. Aber natürlich dauere alles seine Zeit. In Deutschland war der Bruch durch die Nazi-Zeit allumfassend.

Es ist ein weiter Weg – auch der vom Rand in die Mitte. Von Regina Jonas ist ein Zitat zu ihrer Berufswahl überliefert: „Ich kam zu meinem Beruf aus dem religiösen Gefühl, dass Gott keinen Menschen unterdrückt, dass also der Mann nicht die Frau beherrscht.“

Jasmin Andriani kam zu ihrer Tätigkeit dagegen sehr zufällig. Sie ist in Israel geboren und kam mit eineinhalb Jahren nach Berlin. Ihre Familie ist jüdisch, aber nicht besonders religiös. Die Eltern haben die deutsche und die israelische Staatsbürgerschaft mit deutsch-österreichischen Vorfahren der Vater und deutschen die Mutter. Zum Judentum gab es in der Familie vor allem eine kulturelle und gesellschaftliche Verbundenheit. „Meine Eltern sind keine religiösen Leute, beide sind Naturwissenschaftler mit deutsch-israelischen Wurzeln. Sie schickten mich aber auf eine, damals die einzige, jüdische Schule, um mir ein Leben in beiden Welten zu ermöglichen, also um für alle späteren Entscheidungen eine Basis zu schaffen“. Hebräisch musste sie lernen. Die Muttersprache ist Deutsch. Sie fühlt sich beiden Ländern verbunden.

Jasmin Andrian hört mit 15 das erste Mal von Rabbinerinnen

Nach der Bat Mizwa, der weiblichen Form der jüdischen Konfirmation, ging sie regelmäßig in die Synagoge. Sie studierte Jura, leitete Ferienlager jüdischer Organisationen und arbeitete im Jüdischen Museum in Berlin. „Ich dachte, ich werde Juristin“, sagt sie. Aber über die Jahre änderte sich etwas in ihr.

Mit 15 Jahren hatte Jasmin Andriani zum ersten Mal von Rabbinerinnen gehört. Damals dachte sie noch, das könnten gar keine echten Juden sein. Die Vorstellung hatte für sie und ihre Freunde etwas Schockierendes.

Später hörte sie einen Freund vom Abraham Geiger Kolleg sprechen. „Ich fand das total interessant und fragte meinen heutigen Mann, willst du das nicht machen, willst du nicht Rabbiner werden? Darauf sagten er und der Freund, werd du doch Rabbinerin. Und wir haben alle gelacht“, sagt sie.

Als ich dann einmal dabei war, habe ich nicht mehr gezweifelt“ - sagt Jasmin Andriani
Die Situation habe sie heute noch genau vor Augen. Wie sie danach ins Badezimmer ging und vor dem Spiegel stand. Wie sie sich selbst betrachtete und plötzlich dachte, okay, warum eigentlich nicht? „Ich mag gern verrückte Herausforderungen“, sagt Jasmin Andriani heute. Rabbinerin werden – mehr Herausforderung ging wohl nicht. Jedenfalls schrieb sie das Kolleg an und landete prompt in den Auswahlgesprächen für den nächsten Jahrgang der Rabbinerausbildung.

Jasmin Andriani empfindet es heute als großes Glück, dass Homolka das Kolleg aufgebaut hat. Sie hat im Verlauf ihres Studiums herausgefunden, dass sie an der richtigen Stelle gelandet ist. „Als ich dann einmal dabei war, habe ich nicht mehr gezweifelt.“ Aber als junge Frau sei es eine Herausforderung gewesen, reinzuwachsen in eine Rolle, in der man sich Regeln geben muss – als Studentin, die gern in Clubs geht und ausspricht, was ihr gerade einfällt. Jetzt endlich, zum Ende des Studiums sei die Diskrepanz zwischen Schein und Sein nicht mehr so groß. Sie ist jetzt älter, hat einen Mann und eine Tochter. „Manchmal, wenn ich mit meinem Mann schimpfe, sagt er, ’spricht so eine Rabbinerin?’ Das macht mich dann besonders fuchsig, sagt sie, aber es klingt, als ob sie damit zurecht kommt. Es war ein Prozess. Das wäre es wahrscheinlich für jeden, besonders aber für eine Frau im Deutschland der Gegenwart.

Zurzeit betreut Jasmin Andriani eine Gemeinde in Göttingen, die keinen eigenen Rabbiner hat. Das ist Teil ihrer Ausbildung. Ein zweijähriges Praktikum gehört dazu. Alle drei Wochen steigt sie in einen Zug nach Göttingen und bleibt dann ein paar Tage dort. Sie unterrichtet, liest gemeinsam mit der Gemeinde in der Tora, leitet Gottesdienste, hält Predigten, betet vor und spricht mit Kandidaten, die zum Judentum konvertieren wollen. Nach dem Abschluss möchte sie eine eigene Gemeinde betreuen. Dann wird es darauf ankommen, eine Gemeinde zu finden, die bereit ist, eine Frau als Rabbinerin zu beschäftigen. Sie wird dort wieder die Vorstellung überwinden müssen, ein Rabbiner sei ein alter, weiser Mann mit Bart und keine junge Frau. Wer etwas verändern will, muss sich erstmal mit dieser Wunschvorstellung messen und Überzeugungsarbeit leisten, dass eine Frau genauso gut, vielleicht besser, in jedem Fall aber anders Seelsorge leisten kann und religiöse Zeremonien leiten. Widerstand spürt sie schon – nicht so sehr bei den Frauen, eher bei den Männern.

Daran muss man noch arbeiten. Jasmin Andriani möchte gern erreichen, dass es sich für nachfolgende Generationen von Jugendlichen nicht mehr ganz so absurd anfühlt, wenn sie zum ersten Mal Rabbinerinnen sehen, wie für sie selbst damals, als sie 15 Jahre alt war. „Ich sehe mich als eine Art Vorkämpferin auf dem Weg, das liberale Judentum wieder in Deutschland zu etablieren“, sagt sie. Das ist eine große Aufgabe. Eine Herausforderung eben, aber absurd ist sie nicht.

Berliner Zeitung, 30.06.2019

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