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Herausforderungen für das jüdische Leben in Dresden

Interview mit Gemeinderabbiner Alexander Nachama

Von Simona Block, dpa

Frage: Hat die Gemeinde ein Nachwuchsproblem?
Momentan sind wir ein bisschen auf der Suche nach der Jugend, junge Menschen fehlen besonders im Gemeindealltag. Der höhere Altersdurchschnitt ist überall spürbar. Ich bemühe mich, junge Mitglieder in die Synagoge zu bekommen, gehe mit Angeboten aktiv auf sie zu, etwa mit einem Jugendgottesdienst. Aber ich bin optimistisch, da Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche stets gut besucht sind. Wenn da keiner käme, würde ich mir Sorgen machen.

Wie macht sich die Gemeindestruktur bemerkbar?
Ich habe viele Beerdigungen, aber erst jetzt im Mai die erste Hochzeit. Das liegt aber auch an der Tradition. Denn eine jüdische Hochzeit gibt es nur, wenn Beide diesen Glaubens sind, das trifft sich hier aber eher selten. Natürlich kann auch jemand übertreten, der den Weg zum Judentum gefunden hat. Aber das ist ein Prozess über Jahre. Ich betreue gerade drei schon lange mit der Gemeinde verbundene Menschen, die diesen Wunsch haben.

Mit welchen Problemen kommen die Menschen zu Ihnen als Seelsorger?
Natürlich sprechen sie mit mir über Arbeitslosigkeit oder suchen Rat zu persönlichen und religiösen Dingen. Manchmal ist es auch nur der Wunsch, ein Gebet zu sagen, weil jemand krank ist. Ich bin für viele eine Vertrauensperson, die meisten brauchen einfach einen Zuhörer. Momentan sind die Krim-Krise und die Ukraine Themen, vor allem, wenn dort noch Familienmitglieder leben.

Ist jüdisches Leben selbstverständlich in Deutschland?
Es ist wieder Teil dieser Stadt, wie die Synagoge. Dort kommen auch viele Schülergruppen hin. Das ist ein ganz wichtiger Schritt zur Information über das Judentum und das Leben jüdischer Mitbürger, die rechte Tendenzen im Keim ersticken helfen können. An einigen Tagen wie dem 13. Februar merkt man negative Tendenzen, aber auch Positives, wenn sich eine Menschenkette aus Bürgern gegen Neonazi-Aufmärsche bildet. Jüdisches Leben in Deutschland ist generell etwas, worauf aufgepasst werden sollte. Die Geschichte lehrt uns, dass dies notwendig ist.

Was sind für die Gemeinde Herausforderungen und Aufgaben?
Die Herausforderung liegt für mich im Gemeindealltag. Für viele Mitglieder ist es wichtig, eingeladen zu werden, ich muss bewusst auf den Einzelnen zugehen. Viele kommen gern, aber müssen immer wieder motiviert werden. Ich möchte mehr junge Menschen regelmäßig in Synagoge und Gemeinde holen, mehr Stammbeter gewinnen und mehr Mitglieder zum Mittun bewegen. Wenn 700 aktiv sind, bin ich zufrieden.

Seit April 2013 ist Alexander Nachama Rabbiner in Dresden sowie ein Mal im Monat in Chemnitz, wo ein solcher noch fehlt.

Quelle: dnn-online.dehttp://www.dnn-online.de/dresden/web/dresden-nachrichten/detail/-/specific/Dresdens-Rabbiner-Junge-Menschen-fehlen-im-Gemeindealltag-2937151029

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