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Wiedergeburt jüdischen Lebens

Zur Eröffnung der „School of Jewish Theology“ an der Universität Potsdam

„Welch ein Wunder, welch ein Glück“, sagte eine ältere Dame, als sie das Auditorium
Maximum der Universität Potsdam betrat. Man hörte Polnisch, Hebräisch, Englisch, aber
auch viele deutsche Stimmen. Worte wie historisch, Hoffnung, Chance, Ausstrahlung und
Renaissance fielen immer wieder. Rund 400 Gäste aus aller Welt waren zur offiziellen
Eröffnung der Jüdischen Theologie an die Uni gekommen. Und tatsächlich schien hier eine
Gemeinschaft zusammengekommen zu sein, die Züge von einem neuen deutschen Judentum
hatte.
Etwas vollkommen Neues beginne für die Universität, aber auch für ganz Deutschland, hatte
Uni-Präsident Oliver Günther zur Eröffnung gesagt. Und das traf dann auch den Geist dieses
Abends, an dem erstmals an einer deutschen Hochschule die Jüdische Theologie in den
Fächerkanon aufgenommen wurde. Bundespräsident Joachim Gauck hatte die „School of
Jewish Theology“ in der Festschrift als Meilenstein in der Wissenschaftsgeschichte und in der
Geschichte des deutschen und europäischen Judentums gewürdigt. Hier entstehe etwas, das in
der ganzen jüdischen Welt Beachtung findet. Und hier entstehe etwas, was für unser ganzes
Land über die akademische Welt hinaus Bedeutung hat: „Es ist ein weiterer, notwendiger und
glücklicher Schritt zur selbstverständlichen Präsenz jüdischen Lebens in Deutschland.“ Die
Gleichstellung der jüdischen, islamischen und christlichen Theologien an deutschen
Universitäten trage dazu bei, dass der interkulturelle Dialog zwischen den Religionen nun
auch auf gleichberechtigter akademischer Basis geführt werden könne, so Gauck.
Zu der Feierstunde an der Universität waren unter anderem auch der israelische Botschafter
Yakov Hadas-Handelsman, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef
Schuster, und der Präsident der European Union for Progressive Judaism, Leslie Bergman,
gekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte unlängst die neue Potsdamer Einrichtung
als ein Beispiel dafür gewürdigt, dass es heute inmitten der deutschen Gesellschaft eine
wachsende jüdische Gemeinschaft gebe, die in Deutschland ihren Traditionen zu neuer Blüte
verhelfe.
Margot Käßmann vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ging in ihrer
Festrede mit dem Antisemitismus des Reformators Martin Luther und dem Versagen der
evangelischen Kirche im Nationalsozialismus hart ins Gericht. „Der Antijudaismus Martin
Luthers hat der Kirche, die sich nach ihm benannte, ein fatales Erbe hinterlassen“, sagte sie.
Um so bedeutender sei es, dass nun mit dem Institut für jüdische Theologie der
Ausgangspunkt für eine Begegnung der Religionen auf Augenhöhe geschaffen worden sei.
Religiöser Fundamentalismus gleich welcher Prägung schätze Bildung und Aufklärung nicht,
so Käßmann. „Gerade deshalb brauchen wir wissenschaftliche Theologie an öffentlichen
Universitäten.“ Die Theologie gehöre an die Universitäten, um diskursfähig zu sein in der
säkularen Welt und sich eben nicht in privat-religiöse Nischen zu verdrücken. Die Potsdamer
Schule werde weit über Deutschland hinaus ausstrahlen.
Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman war es schließlich, der in seinem Grußwort
sagte, dass fast 70 Jahre nach dem Ende der Schoah eine Wiedergeburt des jüdischen Lebens
in Deutschland zu erleben sei. Nicht nur weil sich die Zahl der Juden erhöhe, sondern auch
weil sich immer mehr Deutsche für das Judentum interessieren würden.

Jan Kixmüller
Erschienen am 20.11.2013 in den Potsdamer neuesten Nachrichten auf Seite 7.

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