hauptmotiv

Nur eine einzige Konfession?

Von Rabbiner Walter Homolka

Das Toleranzpatent Josefs II. war 1781 Österreich Einstieg in die religiöse Toleranz. Jetzt  will die Republik das orthodoxe Judentum zur einzig autoritativen Bekenntnisrichtung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft machen und damit staatlicherseits den Gleichheitsgrundsatz ebenso verletzen wie die religiöse Neutralität. Das Israelitengesetz von 1890 regelte das Verhältnis der Doppelmonarchie mit der Israelitischen Religionsgesellschaft. Es ist gut möglich, dass nach 120 Jahren ein Bundesgesetz Sinn macht, das die Beziehungen der Republik Österreich zum Judentum aktualisiert. Ist das Judentum aber eine einheitliche Religionsgemeinschaft? Das deutsche Bundesverwaltungsgericht hat das 2002  verneint:  "‚Das Judentum‘ [stellt] ebenso wenig eine Religionsgemeinschaft im staatskirchenrechtlichen Sinne dar, wie ‚das Christentum‘. Vielmehr fassen solche Gattungsbegriffe verschiedene Religionsgemeinschaften im Blick auf ihre zentralen Glaubensgehalte zusammen; sie beziehen sich dagegen weder auf eine die einzelnen Religionsgemeinschaften erfassende Organisation noch auf eine zentrale Lehrautorität.“

200.000 jüdische Immigranten haben deutsche Gemeinden lebendiger gemacht und das religiöse Spektrum erweitert. Plötzlich tauchten Fragen auf, die nun auch die Novelle des österreichischen Israelitengesetzes berühren: Warum soll es in einer Kommune nur eine jüdische Kultusgemeinde geben? Wie werden öffentliche Subventionen an wen ausgereicht? Wer wacht über die Gleichbehandlung der unterschiedlichen jüdischen Bekenntnisse vor dem Staat? 2009 stellte das deutsche Bundesverfassungsgericht fest, dass Bekenntnisströmungen in ihrer Unterschiedlichkeit zu beachten und unabhängig voneinander zu würdigen sind: Der Staat darf nicht parteiisch sein. Gilt das aber nicht ebenso auch für Österreich? (Die Furche, 19.4.2012)


Artikelarchiv >>
Rabbiner & RabbinerinnenStrömungenPositionenBet DinPublikationenLinksImpressum
Bookmark für: Facebook
Home
logo der allgemeinen rabbinerkonferenz

© Allgemeine Rabbinerkonferenz
Meldungen

Zu Rosch Haschana 5782

Wendung zum Guten 

von Rabbiner Andreas Nachama, Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz

 

Ein schwieriges Jahr mit zahlreichen Herausforderungen geht zu Ende - Zeit für Umkehr

"Ein Jahr mit seinen Flüchen möge...

Lesen Sie mehr...

Verleihung der Moses Mendelssohn Medaille an den Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama


Paraschat Haschawua

HA'ASINU

Auslegung von Rabbinerin Klapheck

Kurz vorm Ende noch ein Lied

Warum die letzte Bestimmung Gottes an sein Volk gesungen werden soll

Wir sind fast am Ende der Tora. 40 Jahre sind die Israeliten durch die Wüste gezogen, Mosche resümiert in drei großen Reden noch einmal alle Höhe- und Tiefpunkte des langen, langen Weges aus der Sklaverei in die Freiheit.

Das Volk steht am Jordan und sieht auf der...

17.09.2021   Lesen Sie mehr...