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Wer ist Jude?

Im Jahr 2010 veröffentlichte der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, Heinrich Chajim Olmer (1949–2012) seine Dissertation, in der er sich mit der Zugehörigkeit zum Judentum auseinandersetzte:

Heinrich C. Olmer: Wer ist. Jude? Ein Beitrag zur Zukunftssicherung der jüdischen Gemeinschaft. Ergon-Verlag, Würzburg. 2010, 243 S.

Olmer, der auch Vizepräsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland war, plädierte für eine Gleichsetzung von matrilinearer und patrilinearer Deszendenz; er tat dies sachlich und am Beispiel seiner eigenen Kultusgemeinde, die dem Großteil der Zuwanderer aus der früheren Sowjetunion eine Mitgliedschaft mangels jüdischer Herkunft mütterlicherseits verwehrte. Die Antwort auf die Frage „Wer ist Jude?“ fällt dank der halachischen Regeln scheinbar leicht: Die Rabbinen entschieden diese Frage zur Zeit der Mischna durch das Prinzip der Matrilinearität. Olmer legte in seiner Dissertation mit Verweis auf die Quellenlage und auf die biblisch verankerte Patrilinearität dar, dass nicht nur die mütterliche, sondern auch die väterliche Abstammung die Zugehörigkeit zum Judentum begründen kann. Die jüdische Gemeinschaft stand für Heinrich Olmer an der Schwelle zum 21. Jahrhundert vor „enormen Herausforderungen“: Nicht allein religiöse Pluralität und zunehmende Säkularisation würden herausfordern, sondern vor allem demographische Probleme: nur mit einer Gleichsetzung von Patrilinearität und Matrilinearität können die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft in der Diaspora gesichert werden.

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