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Respekt hilft gegen Pflegenotstand

Wenn wir Senioren mit Achtung begegnen, steigt unser aller Lebensqualität. Das zeigen neue Studien – und die Tora

von Rabbiner Andrew Aryeh Steiman

Eine jüngst veröffentlichte Studie hat ergeben: Je respektvoller der Umgang mit Alten, desto höher die Lebensqualität insgesamt. Es wurde eine erstaunliche Korrelation zwischen gezolltem Respekt und Gesundheit festgestellt – gerade im Alter. In Deutschland wird, das zeigt die Studie auch, im internationalen Vergleich den älteren Menschen wenig Respekt entgegengebracht.

Dabei ließe sich der viel beklagte Pflegenotstand sofort und ohne jeden finanziellen Aufwand spürbar lindern, wenn wir bloß respektvoller mit der älteren Generation umgingen. Ginge es nach der Tora, würde es zum Pflegenotstand gar nicht erst kommen. Die vielen Mizwot, die Respekt vor dem Alter fordern, wirken sich auf die Lebensqualität aller aus.

GESPRÄCH Gerade im jüdischen Kontext zeigt sich, wie wertvoll das Gespräch mit der Generation ist, die über ein schweres Schicksal berichten kann. Die Generationen brauchen einander. Der intergenerationelle Austausch ist die Grundlage jeder Tradition.
In westlichen Kulturen erleben wir gerade, wie sich diese einfache Weisheit zunehmend auflöst. Jugendwahn scheint die Antwort zu sein auf eine zunehmend älter werdende Gesellschaft, die bereits in dem Wort »Überalterung« alles andere als Wertschätzung für das Alter zum Ausdruck bringt – nicht zuletzt für sich selbst.

WEISHEIT Auch viele Gemeinden klagen, sie seien »überaltert«. Gewiss, die Jungen fehlen. Hier und da macht sich dann ein Gefühl der Minderwertigkeit breit. Den Wert einer Gemeinde am Durchschnittsalter der Mitglieder zu bemessen, ist aber alles andere als weise.

In der Tora wird der Begriff für »Weisheit« synonym mit »Alter« (sakejn) verwendet. Mehr noch: Die Tora betrachtet Alter als Segen und Tugend. Das hat mit zunehmender Erfahrung und nicht mit abnehmender Spannkraft zu tun. Nur im Alter können diese gegenläufigen Entwicklungen sich ergänzen und zur Lebensqualität aller beitragen. Und zwar ganz einfach: Man muss es nur wollen.

Der Autor ist Rabbiner der Budge-Stiftung in Frankfurt/Main.

Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung der Jüdischen Allgemeinen, dort erschienen am 19. Juni 2018.

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